Posted by Greenpeace on October 04, 1999 at 20:49:46:
Hamburg/Tokaimura, 3.10.1999. Ein Team der internationalen
Umweltorganisation Greenpeace hat heute damit begonnen,
Messdaten ueber die radioaktive Strahlung rund um die
Brennelementefabrik Tokaimura zu sammeln. In einer ersten
Messreihe direkt am Zaun des Betriebsgelaendes wurde eine
Strahlenintensitaet von 0,54 Mikrosievert pro Stunde
festgestellt. Zum Vergleich: In Deutschland darf von
atomaren Anlagen nicht mehr als 300 Mikrosievert Strahlung
pro Jahr (!) ausgehen.
"Wir sind nicht hier, um Panik zu schueren", sagt Jan
Rispens von Greenpeace Deutschland, Mitglied des
internationalen Teams. "Aber wir misstrauen den Angaben der
Betreiberfirma JCO und der Regierung." In unmittelbarer
Naehe der Atomanlage stehen - nur durch eine Strasse getrennt
- Wohnhaeuser. Die japanische Regierung hat bereits
Entwarnung gegeben und die Bewohner in ihre Haeuser
zurueckkehren lassen.
Die japanische Nuklearindustrie hat in der Vergangenheit
bereits mehrfach versucht, die Oeffentlichkeit ueber die
Folgen von Unfaellen zu taeuschen. So war es 1995 im
Schnellen Brueter von Monju zu einem schweren Unfall
gekommen, durch den der Reaktor bis heute ausser Betrieb
ist. Journalisten, die Einzelheiten ueber den Hergang
erfahren wollten, erhielten Videoaufnahmen, auf denen das
Ausmass der Zerstoerung ueberhaupt nicht zu sehen war.
Ausser der Messung von direkter Strahlung aus dem
Ungluecks-Gebaeude von Tokaimura hat Greenpeace auch
Bodenproben genommen, um festzustellen, ob bei der atomaren
Kettenreaktion am letzten Donnerstag auch radioaktive
Partikel in die Umwelt gelangten. Dies koennte eine
dauerhafte Verseuchung der Region nordoestlich von Tokio
bedeuten. Genaue Messergebnisse werden erst Mitte der Woche
vorliegen.
Das Misstrauen gegenueber Daten der Atomindustrie ist
berechtigt, da sie kein Interesse daran hat, Einzelheiten
von Stoer- und Unfaellen umfassend zu verbreiten. In
Deutschland waren mehr als zehn Jahre kontaminierte
Atomtransporte unterwegs, bevor zugegeben wurde, dass die
Verseuchung der Behaelter ueber den gesetzlichen Grenzwerten
lag. Greenpeace bezweifelt, dass es einen Grenzwert fuer die
Ungefaehrlichkeit radioaktiver Strahlung gibt und setzt sich
daher fuer einen Ausstieg aus der Risikotechnologie ein.