Posted by Greenpeace on October 01, 1999 at 15:30:24:
Berliner Stromversorger beim Stromwechsel offenbar
ueberfordert
Berlin, 01.10.1999: Der Berliner Stromversorger BEWAG hat
Greenpeace den Wechsel zu einem Oekostromanbieter verweigert.
Die Umweltschuetzer hatten bereits vor fuenf Wochen den
Stromliefervertrag fuer das Buero in Berlin Mitte gekuendigt,
um ab dem 01. Oktober sauberen Strom zu beziehen. Drei Tage
vor dem geplanten Wechsel verweigerte nun die BEWAG die
Durchleitung des umweltfreundlichen Stroms. Begruendung: Man
wisse nicht mit welchem System die Abrechnung erfolgen soll.
Die neuen Regelungen seien noch nicht "praxistauglich". Die
bislang ueblichen, voellig ueberteuerten Messungen hatte das
Bundes-Kartellamt im Januar auf Initiative von Greenpeace
abgelehnt.
"Entweder die BEWAG hinkt der Entwicklung auf dem Strommarkt
gewaltig hinterher", sagt Sven Teske,
Greenpeace-Energieexperte, "oder sie blockieren gezielt den
Wechsel zu umweltfreundlichem Strom. In anderen Staedten ist
die Frage der Abrechnung laengst geklaert".
In Hamburg bezieht die Zentrale und die Werkstatt der
Umweltschutzorganisation schon seit 1. Juli nach einer
vereinfachten Abrechnungsmethode sauberen Strom. Bundesweit
haben bereits zehn regionale Greenpeace-Bueros den
Stromversorger gewechselt. "Wir erwarten auch von der Bewag
schleunigst eine unbuerokratische Loesung fuer die Durchleitung
sauberen Stroms", fordert Teske. Die Bewag bezieht ihren
Strom groesstenteils aus Kohlekraftwerken.
Seit Beginn des freien Strommarktes setzt sich Greenpeace
fuer einen einfachen und fairen Wechsel zu Oekostromanbietern
ein. Groesster Haken ist die Nutzung der Stromleitungen fuer
neue Anbieter. "Vor einem Jahr musste man seinen alten
Stromversorger noch beknien, um von Atomstrom auf
umweltfreundlichen Strom umsteigen zu koennen. Die grossen
Energiekonzerne hatten die Hoheit ueber das Stromnetz und
wollten mit einem horrenden Wegezoll neue Konkurrenz im Keim
ersticken", erklaert Teske.
Im Oktober vergangenen Jahres legte Greenpeace daher dem
Bundeswirtschaftsministerium einen Vorschlag fuer eine
Netzverordnung vor. Eine gesetzliche Regelung ueber die
Nutzung des Stromnetzes lehnt Wirtschaftsminister Mueller
bisher jedoch ab. Stattdessen setzt er auf freiwillige
Vereinbarungen mit der Stromwirtschaft. Am Dienstag dieser
Woche fand hierzu ein Spitzengespraech zwischen den
Stromverbaenden und dem Bundeswirtschaftsministerium statt.
Das Ergebnis ist enttaeuschend. Zwar konnten sich die
Stromverbaende auf grobe Rahmenbedingungen fuer die Nutzung
der Stromnetze einigen. Wichtige Details ueber tatsaechliche
Kosten sind aber weiter ungeklaert.
Greenpeace warnt vor Billigstromanbietern. Deren Strom
stammt fast ausschliesslich aus hoch subventionierten und zum
Teil abgeschriebenen Atom- und Kohlekraftwerken. Die dadurch
moeglichen Dumpingpreise verdraengen umweltfreundliche
Anbieter, die ihren Strom in Kraft-Waermekopplungs-Anlagen
und in Wind- Wasser und Sonnenenergie-Anlagen herstellen.