Posted by Bundestagsfraktion Buendnis 90/Die Gruenen on October 01, 1999 at 15:27:52:
Zum Atomunfall in Japan erklaert Michaele Hustedt,
energiepolitische Sprecherin:
Unsere aufrichtige Sorge nach dem Atomunglueck in Tokaimura gilt
den Arbeitern, die verstrahlt wurden und den Anwohnern, die noch
immer ihre Wohnungen nicht verlassen koennen.
Die Gruende fuer den Unfall muessen jetzt auch von deutscher
Seite gruendlich und in Ruhe untersucht werden. Es ist zu
pruefen, ob auch fuer Anlagen zur Brennelementefertigung oder
Urananreicherung in Deutschland Konsequenzen zu ziehen sind.
Das Atomunglueck in Japan zeigt einmal mehr, dass die Atomkraft
nicht hundertprozentig sicher sein kann, auch nicht in einem
Hochtechnologieland wie Japan, dessen Sicherheitsstandards den
deutschen und franzoesischen weitgehend entsprechen.
Nicht einmal die Herstellung der Brennelemente, bislang von den
meisten Experten noch als der unkritischste Punkt in der
nuklearen Kette angesehen, ist kontrollierbar, wie der tragische
Unfall in Tokaimura lehrt. In Wirklichkeit ist es nicht der
Mensch, der versagt, sondern eine Technologie, die menschliches
Fehlverhalten nicht beruecksichtigt. Es gibt laengst andere
Optionen, um sicher, guenstig, umweltfreundlich Strom zu
erzeugen.
Nukleare Unfaelle wird es geben, so lange es Atomkraft gibt.
Weder die Urangewinnung, noch die Verarbeitung, der
Reaktorbetrieb oder gar die Endlagerung des hundertausende Jahre
strahlenden Atommuells wird jemals gefahrlos moeglich sein. Wer
weiter auf die nukleare Option setzt, muss den Menschen auch
sagen, dass er ihre Sicherheit nicht garantieren kann. Gestern
waren es Harrisburg und Tschernobyl, heute Tokaimura, morgen
vielleicht eine Anlage in Deutschland.