BUND, DNR, Greenpeace, BBU und NABU gegen neue Atomtransporte


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Posted by Greenpeace on September 29, 1999 at 17:56:14:

Bei Wiederaufnahme werden erhebliche Konfrontationen
befuerchtet

Hamburg/Geesthacht, 29.9.99: Fuenf grosse deutsche
Umweltverbaende haben sich heute auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz vor dem Atomkraftwerk Kruemmel bei
Geesthacht gegen die Wiederaufnahme von Atomtransporten
ausgesprochen. Ausser dem schnellen Atomausstieg soll die
Bundesregierung gegenueber der Atomindustrie den Verzicht
auf neue Transporte von hochradioaktivem Atommuell
durchsetzen. BUND, DNR, Greenpeace, BBU und NABU fordern
von Politik und Industrie die Erarbeitung eines nationalen
Entsorgungsplanes fuer den angefallenen Atommuell. Die
Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen im
Ausland soll von der Bundesregierung sofort verboten
werden.

Die Lagerbecken von sieben deutschen Atomkraftwerken
erreichen in Kuerze ihre Endkapazitaeten: Die
kraftwerksinternen Lagerbecken der Atomkraftwerke Biblis B
und Stade haben nur noch je 14 freie Plaetze zur
Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente. In
Neckarwestheim I sind es 30, in Biblis A noch 60, in
Phillipsburg I noch 70, in Phillipsburg II noch 102 und in
Kruemmel noch 133 freie Lagerplaetze. Einige
Kraftwerksbetreiber draengen auf den baldigen Abtransport
ihres Atommuells ins Ausland oder in die Zwischenlager Ahaus
bzw. Gorleben.

Der Praesident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU),
Jochen Flasbarth: "Die Atomindustrie tut so, als koenne man
den Entsorgungsnotstand einfach abtransportieren. Dabei
sind Castortransporte nicht nur riskant, sie schieben das
Problem zudem auf die lange Bank. Deshalb muessen zunaechst
einmal Reaktoren mit erschoepften Lagerkapazitaeten vom Netz
genommen werden. Statt um Laufzeiten zu feilschen, sind
Bundesregierung und Atomindustrie vor allem gefragt, einen
nationalen Entsorgungsplan fuer alle Arten von Atomabfaellen
zu erarbeiten."

Greenpeace-Geschaeftsfuehrerin Brigitte Behrens: "Der
Atommuell, den wir in unseren Atomkraftwerken erzeugen, muss
auch bei uns entsorgt werden. Stattdessen verschieben wir
seit Jahrzehnten unseren strahlenden Muell in unsichere
Atomfabriken nach La Hague in Frankreich und Sellafield in
England. Die Bundesregierung nimmt die kontinuierliche
Verstrahlung ganzer Landschaften und der dort lebenden
Menschen kommentarlos in Kauf, weil es keine Entsorgung fuer
Atommuell gibt. Radioaktiv verseuchte Straende und Wiesen
sind die Spielplaetze fuer die Kinder aus Sellafield. Durch
die Wiederaufarbeitung wird die Menge des Atommuells noch
verzwanzigfacht. Solange Atomtransporte weiter stattfinden,
wird auch dieser beispiellose Umweltskandal weitergehen.
Dagegen werden wir auch unter einer rot-gruenen Regierung
kaempfen."

Dr. Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bund fuer Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND): "Laengere Laufzeiten von
Atomkraftwerken heisst noch groessere Atommuellberge und noch
hoehere Risiken von schweren Reaktorunfaellen. Ein Gau wuerde
in Deutschland zu Millionen Krebstoten fuehren. Zehn
Billionen Mark kann ein solcher Kernschmelzunfall kosten.
Wegen der zu geringen Haftpflicht der Betreiber wuerden die
Entschaedigungsforderungen auf den Staat zukommen. Er waere
danach nicht nur verschuldet, er waere bankrott. Der
schnelle Ersatz des Atomstroms durch Energieeinsparungen
und regenerative Energien muss deshalb Vorrang haben."

Der energiepolitische Sprecher des Deutschen
Naturschutzrings (DNR), Hubert Weinzierl: "Wir fordern von
der Bundesregierung die Ausarbeitung eines
Energiewende-Szenarios. Bis zu 200 000 neue Arbeitsplaetze
in den Bereichen Energieeinsparung und erneuerbare Energien
koennen so geschaffen werden. Die 15 000 Angestellten der
AKW`s werden noch lange bei der Abwicklung der
Atomindustrie gebraucht. Die Kommunen um die Atomanlagen
brauchen jedoch schon jetzt neue wirtschaftliche
Perspektiven. Wer das nicht begreift, verantwortet heute in
diesen Regionen die Arbeitslosen von morgen."

Wolfgang Guhle vom Geschaeftsfuehrenden Vorstand des
Bundesverbandes Buergerinitiativen Umweltschutz (BBU):
"Einer Fortsetzung der alten Atompolitik und der
Wiederaufnahme von Atomtransporten wird von den
Buergerinitiativen an den Atomstandorten ein noch staerkerer
Widerstand entgegengesetzt werden als in den Jahren zuvor.
Der im rot-gruenen Koalitionsvertrag vereinbarte
Atomausstieg zeigt, dass sich die Umwelt- und
Anti-AKW-Bewegung politisch laengst durchgesetzt hat. Wird
der Atomausstieg nicht konsequent vollzogen, wird das
Vertrauen der Bevoelkerung in die Glaubwuerdigkeit der
Politik und der Glaube an die Zweckmaessigkeit friedlichen
Widerstands schwer erschuettert. Dann kann es zu erheblichen
Konfrontationen kommen."

Die fuenf Umweltverbaende kuendigten an, sich bei einer
Wiederaufnahme von Castortransporten an bundesweiten
friedlichen Protesten dagegen zu beteiligen.




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