Posted by Greenpeace on May 08, 19100 at 08:27:58:
Hamburg, 5.5.2000. Greenpeace hat heute seinen Antrag
auf die Vergabe des Umweltzeichens "Blauer Engel" fuer
umweltfreundlichen Strom zurueckgezogen. "In Sachen
Strom wird der Blaue Engel den Verbrauchern leider
keine wirkliche Orientierung bieten", sagt
Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Da das zustaendige
Umweltbundesamt (UBA) nicht in der Lage ist, ein
verlaessliches Label fuer Oeko-Strom einzufuehren, fordert
Greenpeace eine generelle Kennzeichnungspflicht fuer
Strom, wie sie im US-Bundesstaat Kalifornien ueblich
ist.
Greenpeace hatte beim UBA im Oktober 1998 die
Einfuehrung eines Blauen Engels fuer umweltfreundlich
erzeugten Strom vorgeschlagen und einen entsprechenden
Antrag gestellt. Die jetzt vom UBA nach anderthalb
Jahren Bearbeitungszeit vorgelegten Kriterien fuer die
Vergabe eines "Strom-Engels" aber sind voellig
unzureichend.
Die zentrale Frage im Greenpeace-Antrag, ob der
Stromanbieter die technischen Grundvoraussetzungen fuer
die Stromversorgung des Kunden - die zeitgleiche
Durchleitung des Stroms - erfuellen kann, will das UBA
nicht ueberpruefen. Wenn diese Bedingung aber nicht
erfuellt ist, kann der Kunde nicht seinen Stromversorger
wechseln. Einem Strom-Produzenten kann ohne diese
Pruefung nicht nachgewiesen werden, ob er die von seinen
Kunden verbrauchte Menge sauberen Stroms tatsaechlich
zum Zeitpunkt des Verbrauches in das Stromnetz
eingespeist hat. Keine Kriterien gibt es ausserdem fuer
Wasserkraft-Strom, der nicht immer oekologisch
produziert wird. Auch ein festgeschriebener
Mindestanteil fuer Solarstrom fehlt. Viel zu mager ist
zudem die Neubau-Bestimmung ausgefallen: ein
Unternehmen mit dem "Strom-Engel" muesste pro
Kilowattstunde nur zwei Pfennige in den Neubau
umweltfreundlicher Stromanlagen investieren.
"Die Verbraucher haben ein Recht zu erfahren, wo und
aus welchen Quellen ihr Energieversorger den Strom
einkauft. Der europaweit anerkannte Blaue Engel haette
ein wichtiges Instrument fuer die Markteinfuehrung von
sauberem Strom sein koennen. Doch der Engel musste zu
viele Federn lassen," resuemiert Sven Teske.
Die von Greenpeace geforderte Kennzeichnungspflicht ist
in Kalifornien bereits Realitaet. Aehnlich wie bei
Lebensmitteln muessen Stromhaendler dort die Herkunft und
die Zusammensetzung ihrer Stromlieferung auf der
Rechnung angeben. Allerdings sollte die Kennzeichnung
des Stroms in Europa schon mit der Stromwerbung
beginnen. Eine transparente Kundeninformation wird
gerade angesichts der zunehmenden Atomstrom-Importe aus
dem Ausland immer wichtiger.
Die von Greenpeace gegruendete Einkaufsgenossenschaft
fuer sauberen Strom geht bereits mit gutem Beispiel
voran: Kunden von "Greenpeace energy" koennen seit April
im Internet "live" verfolgen, wie ihr Strom
zusammengesetzt ist, wieviel Strom also aktuell aus
Sonne, Wind, Wasser oder Gas-Blockheizkraftwerken
erzeugt wird.