Posted by Greenpeace on April 25, 19100 at 12:14:25:
Hamburg, 25.4.2000. Alle 29 russischen Atommeiler
koennten abgeschaltet werden, wenn die Lecks in den Oel-
und Gas-Pipelines des riesigen Landes geschlossen
wuerden. Die eingesparten Oel- und Gas-Mengen koennten
theoretisch sogar eine Strommenge erzeugen, die mehr
als doppelt so hoch ist wie die von russischen
Atomkraftwerken produzierte. Dies ist das Ergebnis
einer heute in Hamburg veroeffentlichten Studie, die von
Greenpeace Russland und deutschen Energie-Experten
erstellt wurde.
Aus Anlass des morgigen 14. Jahrestages der
Atomkatastrophe von Tschernobyl fordert Greenpeace
russische und westliche Energiekonzerne sowie die
internationale Politik auf, ihre Mittel zum Schliessen
der Pipeline-Lecks einzusetzen, statt den Fortbestand
der maroden russischen Atomkraftwerke zu finanzieren.
"Auf unseren Expeditionen zu den Oel- und Gasfeldern in
der Komi-Region nordwestlich des Urals und in
West-Sibirien fanden wir eine Umweltverschmutzung durch
Pipeline-Lecks, die alles Vorstellbare uebertrifft -
ueberall ist Oel", erlaeutert Dr. Christian Bussau,
Oel-Experte von Greenpeace. "Ganze Waelder stehen in
Oelseen, riesige Gasfackeln und Rauchsaeulen verdunkeln
den Himmel."
In Russland gehen jaehrlich etwa fuenfzehn Millionen
Tonnen Oel und rund dreissig Milliarden Kubikmeter Erdgas
durch Leckagen verloren. Zum Vergleich: Das entspricht
dem jaehrlichen Oelverbrauch Oesterreichs und dem
jaehrlichen Erdgasverbrauch Frankreichs.
Erdgas-(Methan-) Leckagen sind extrem klimaschaedlich:
Methan traegt um ein Vielfaches mehr zum
Treibhaus-Effekt bei als Kohlendioxid, das beim
Verbrennen von Oel und Erdgas entsteht.
Bei der energetischen Nutzung der vermiedenen Oel- und
Gasverluste sollte nach Meinung von Greenpeace der
Schwerpunkt auf Erdgas liegen und moeglichst kein Oel zur
Stromerzeugung verbrannt werden. Erdgas ist als
Brennstoff weniger schaedlich als Oel oder Kohle und
traegt weniger zum globalen Klimawandel bei. Es koennte
fuer Russland die zentrale Rolle im Uebergang vom
fossil-atomaren Zeitalter in eine Aera erneuerbarer
Energieerzeugung spielen.
"Mit der Studie schlaegt Greenpeace zwei Fliegen mit
einer Klappe", sagt Greenpeace-Atomexperte Veit Buerger.
"Sowohl die maroden Pipelines als auch die maroden
Atomreaktoren sind fuer Russland ein gigantisches
Umweltproblem. Oelverseuchung und Radioaktivitaet machen
die Menschen krank." Dazu kommen ungeloeste Probleme der
Endlagerung radioaktiver Abfaelle, die hohen Kosten der
Stillegung alter Reaktoren und die Gefahren der
Weiterverbreitung von Atomwaffen. Deshalb sollten
internationale Kredite sofort weg von der Atomenergie
hin zum Abdichten von Oel- und Gaslecks umgewidmet
werden.