Posted by Greenpeace on January 20, 19100 at 10:18:06:
Hamburg, 19. 1. 2000. Greenpeace fordert
Bundesaussenminister Joschka Fischer auf, dem geplanten Bau
des Atomkraftwerks Akkuyu an der tuerkischen Mittelmeerkueste
eine klare Absage zu erteilen, bevor in der Tuerkei Ende
Januar eine endgueltige Entscheidung faellt. Fuer ein solches
Risikoprojekt darf es von der deutschen Bundesregierung
keinerlei finanzielle Unterstuetzung geben. Das sieht
inzwischen selbst der stellvertretende umweltpolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Horst Kubatschka so.
Er bezeichnet den Bau des ersten tuerkischen Atomkraftwerkes
in einem erdbebengefaehrdeten Gebiet als "atomare Zeitbombe"
und ist ueberzeugt, dass die Bundesregierung fuer den Bau
keine Hermes-Buergschaften bewilligen wird. Siemens macht
sich Hoffnung auf den Auftrag, den Akkuyu-Meiler zu bauen
und dafuer Hermes-Buergschaften zu erhalten, ueber deren
Bewilligung Aussenminister Fischer mitentscheidet.
"Wenn schon die SPD Akkuyu als atomare Zeitbombe
bezeichnet, warum gibt es dann vom gruenen Aussenminister
noch keine klare Position? Von einer rot-gruenen
Bundesregierung, die sich den Atomausstieg auf die Fahnen
geschrieben hat, darf es keinerlei Unterstuetzung fuer
Atomkraftwerke im Ausland geben", so
Greenpeace-Energieexperte Veit Buerger.
Siemens ist mit seinem franzoesischen Partner Framatome
eines von drei Firmenkonsortien, die sich fuer den Bau des
Atomkraftwerks in Akkuyu beworben haben. Die tuerkische
Regierung hat eine Entscheidung ueber die Auftragsvergabe
mehrfach verschoben, zuletzt Ende Dezember wegen weiteren
Abstimmungsbedarfs auf Ende Januar.
Schon lange warnen prominente Wissenschaftler vor dem Bau
eines Atomkraftwerkes in Akkuyu an der Suedkueste der Tuerkei.
Bereits 1990 fanden Geologen heraus, dass das Gebiet nur 20
bis 25 km von einer seismisch aktiven Zone (Ecemis-Graben)
entfernt liegt. Erst 1999 ereignete sich ein verheerendes
Erdbeben in der Tuerkei, ein Jahr zuvor bebte die Erde nur
rund 170 km nordoestlich von Akkuyu. "Wer ein Atomkraftwerk
in einem Erdbebengebiet baut, spielt russisches Roulette",
warnt Veit Buerger.
Neben dem Atomkraftwerk in Akkuyu kann die rot-gruene
Bundesregierung auch den Bau anderer Atomkraftwerke im
Ausland, beispielsweise der beiden ukrainischen Reaktoren
Khmelnitzky-2 und Rowno-4 (K2/R4), verhindern. Die
Finanzierung der meisten Projekte laeuft ueber staatliche
Hermes-Buergschaften. Indem die Bundesregierung, wie im
Koalitionsvertrag vereinbart, die Vergabekriterien dieser
Buergschaften reformiert, kann sie eine Unterstuetzung
solcher Projekte von vorneherein unterbinden. Greenpeace
fordert ein klares Nein zum Export von Atomtechnik.