Posted by Greenpeace on September 09, 1999 at 13:04:19:
Muenchen, 09.09.1999: Mit Sirenengeheul und dem Krach eines
Erdbebens demonstrieren heute 20 Greenpeace Aktivisten vor
der Siemens-Zentrale in Muenchen gegen den geplanten Bau
eines Atomkraftwerkes in der Tuerkei. Vor dem Hauptportal
entrollten die Umweltschuetzer ein Transparent mit deutscher
und tuerkischer Aufschrift: "Siemens AG skrupellos:
Atomkraftwerk trotz Erdbebengefahr - Kein AKW in der
Tuerkei." Die Belegschaft wird mit einem Informationspaket
ueber die riskanten Atomgeschaefte des Konzerns empfangen.
"Siemens baut voll auf Risiko. Ein Atomkraftwerk in einem
Erdbebengebiet zu bauen ist wie Russisches Roulette", warnt
Veit Buerger, Energieexperte bei Greenpeace.
"Erdbebensichere Atomkraftwerke gibt es so wenig wie
absturzsichere Flugzeuge oder unsinkbare Schiffe."
Wissenschaftler warnen schon lange vor dem Bau eines
Atomkraftwerkes in Akkuyu an der Suedost-Kueste der Tuerkei.
Bereits 1990 fanden Geologen heraus, dass das Gebiet nur 20
bis 25 km von einer aktiven Erdfalte (Ecemis-Graben)
entfernt liegt. Erst im vergangenen Jahr bebte rund 170 km
nordoestlich von Akkuyu die Erde.
"Trotz dieser Gefahr hat Siemens keine Skrupel, das
Atomkraftwerk zu bauen", sagt Veit Buerger. Siemens hatte
erst letzte Woche erklaert, der Konzern wolle unbeirrt an
dem Atomprojekt in der Tuerkei festhalten. Die geplante
Anlage lasse sich fuer an dem Standort moegliche
Erdbebenstaerken ausreichend sicher auslegen. Veit Buerger:
"Nirgendwo auf der Welt ist der Zeitpunkt und die Staerke
eines Erdbebens genau vorhersehbar."
Siemens ist eines von drei Firmen-Konsortien, die das
Atomkraftwerk bauen wollen. Der tuerkischen Regierung bleibt
nicht mehr viel Zeit, den Auftrag zu vergeben. Am 15.
Oktober 1999 laeuft die Frist ab, die die beteiligten Firmen
aus Deutschland, USA und Kanada an ihr Angebot bindet. Noch
vor Ablauf der Frist soll deshalb im tuerkischen Kabinett
die endgueltige Entscheidung fallen. Die Planung sieht einen
Baubeginn im November 2000 vor.
Die rot-gruene Bundesregierung koennte den Bau des
Atomkraftwerks in Akkuyu noch stoppen. Baut Siemens das
Kraftwerk, laeuft die Finanzierung des 4,4
Milliarden-Projektes voraussichtlich ueber staatliche
Hermes-Buergschaften. Die Unterstuetzung von Atomprojekten
koennte aber ausgeschlossen werden, indem man die
Vergabekriterien dieser Buergschaften reformiert. Das hatte
Rot-Gruen auch im Koalitionsvertrag vereinbart. "Bislang
haelt die Bundesregierung aber Siemens den Ruecken frei",
sagt Veit Buerger. Greenpeace fordert ein klares Nein zum
Export von Atomtechnik.
Die Bucht von Akkuyu ist eines der wenigen noch unberuehrten
Gebiete an der Mittelmeerkueste. Die Menschen leben
hauptsaechlich von Landwirtschaft und Fischfang. Die
ansaessige Bevoelkerung, unter ihnen der Buergermeister von
Silifke, kaempfen seit Jahren gegen das geplante
Atomkraftwerk in Akkuyu.