Posted by Greenpeace on September 07, 1999 at 17:17:16:
Hamburg, 3.9.1999: Greenpeace legt heute
Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen
die Hamburgischen Electricitätswerke (HEW)
ein. Der Grund: Durch unbegründete Auflagen
verteuern die HEW die Lieferung von Strom aus
umweltfreundlichen Anlagen in Nord- und
Süddeutschland an Greenpeace. Jörg Feddern,
Energieexperte von Greenpeace: "Aus Angst, mehr
und mehr umweltbewusste Kunden an Anbieter von
Ökostrom zu verlieren, greifen die HEW zu
unlauteren Methoden."
Die Lieferung des sauberen Stroms wird von
den HEW gleich mehrfach behindert:
Der Stromkonzern besteht noch immer auf einer
entfernungsabhängigen Gebühr für die Durchleitung
des Ökostroms von Süddeutschland nach Hamburg,
obwohl physikalisch überhaupt kein Strom ?durchgeleitet?
wird. Die Strom-Maut kostet 12,4 Pfennig pro
Kilowattstunde (kWh), mehr als ein Drittel des
Gesamtpreises von 34 Pf/kWh.
Die HEW weigern sich, aktuelle Daten über
den Greenpeace-Stromverbrauch an die neuen
Stromlieferanten weiter zu geben, obwohl die nötigen
technischen Voraussetzungen vorhanden sind. Diese
Daten aber sind notwendig, um eine Forderung der
HEW zu erfüllen: den Strom zeitgleich zum Verbrauch
einzuspeisen. Stattdessen werden die Ökostrom-
Lieferanten gezwungen, ein technisch völlig überflüssigen
Messgerätes in der Greenpeace-Zentrale einzubauen.
Kosten: 600 bis 700 DM. Die HEW bestehen darauf,
im Notfall selbst teuren Reservestrom zu liefern,
obwohl die Ökostromanbieter ausreichend Reservekapazitäten
bereitstellen, die eine Vollversorgung garantieren.
Das heißt: Greenpeace soll teurer Atomstrom aufgedrängt
werden, obwohl es dazu keine technische Veranlassung gibt.
Besonders die hohe HEW-Durchleitungsgebühr
von 12,4 Pf/kWh ist für Greenpeace unverständlich.
Denn neue Billigstrom-Anbieter wie "Yello-Strom" werben
bundesweit mit Strompreisen von 19 Pf/kWh. Das bedeutet:
entweder zahlt "Yellow-Strom" deutlich dazu oder sie
erhalten von den HEW einen viel niedrigeren
Durchleitungspreis als die Ökostrom-Anbieter.
Auch diesen Punkt will Greenpeace mit der
Beschwerde beim Bundeskartellamt klären.
Jörg Feddern: "Mit kostspieligen Schikanen nutzen die
HEW ihre marktbeherrschende Position wettbewerbswidrig
aus. Deshalb erhoffen wir uns vom Bundeskartellamt einen
klaren Spruch, der bundesweit Konsequenzen hat.
Die Regeln für einen freien und fairen Stromwettbewerb
dürfen nicht die wenigen großen Stromkonzerne bestimmen,
die kleinere Stadtwerke und Ökostrom-Anbieter platt
machen wollen."
Greenpeace hatte im Frühjahr den Vertrag mit den HEW,
die 80 Prozent ihres Stroms in Atomkraftwerken
produzieren, zum 1. Juli gekündigt. Seitdem liefert eine
Versorgergemeinschaft aus den Stadtwerken Schwäbisch Hall,
der Ökostrom Handels AG Hamburg und der NEVAG Wiesbaden
sauberen Strom. "Sauberer Strom" ist nach Greenpeace-Definition
Strom ohne Atom- und Kohlestrom, der zu mindestens
50 Prozent aus regenerativen Anlagen und zu 50 Prozent aus
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stammt und dessen Produktion
damit zwei Drittel weniger CO2-Emissionen erzeugt als
herkömmlicher Strom.