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Offshore-Projekte in Nord- und Ostsee

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Geschrieben von Nicole Paul   
Samstag, 01 Juni 2002
Nicht weniger als 26 Projekte sind in vor den deutschen Küsten in Nord-und Ostsee geplant. Die Bandbreite ist groß: Die Leistung der Vorhaben liegt zwischen fünf und fünftausend Megawatt....



Darstellung von 26 Offshore-Projekten
Andreas Moll/Eilers


Alles drängt hinaus aufs Meer

Vor gut einem Jahr (SW&W 4/2001) waren in unserer Übersicht noch zehn Projektierer aufgelistet, die 15 Projekte in der deutschen Nord- und Ostsee planten. Nun ist die Zahl der von uns ermittelten Projekte auf 26 angewachsen, und 17 Projektentwickler (oder Konsortien) rechnen sich Chancen aus, einen oder mehrere Windparks auf See verwirklichen zu können. Die Nordsee ist, obwohl dort wesentlich rauere Verhältnisse herrschen als in der Ostsee, das bevorzugte Planungsgebiet. 19 Windparks sollen dort entstehen.

Zunächst werden nur Pilotphasen genehmigt

Doch unsere Liste ist, da noch nicht alle Projekte ans Licht der Öffentlichkeit getreten sind, nicht vollständig. Insgesamt bearbeitet das BSH inzwischen 31 Anträge, sieben davon in der Ostsee, 24 in der Nordsee. »Wir wollen nach Möglichkeit dieses Jahr noch vier weitere Genehmigungsverfahren zum Abschluss bringen, deren Standorte sich ebenfalls in der Nordsee befinden”, sagt Frank Wischer vom Rechtsreferat des BSH, zuständig für die Bearbeitung der Verfahren. Das BSH genehmigt in einem ersten Schritt nur Pilotphasen mit maximal 80 Anlagen. Fast alle Projekte sehen eine solche Pilotphase vor.

Die im neugeregelten Bundesnaturschutzgesetz vom November letzten Jahres angekündigte Ausweisung von besonderen Eignungsgebieten für Offshore-Windparks, die ebenfalls federführend dem BSH obliegt, ist bisher noch nicht erfolgt. Das BSH arbeitet zur Zeit parallel an dieser Ausweisung und an den Anträgen und versucht schon jetzt, die verschiedenen Interessen gleichermaßen zu berücksichtigen. "Die Antragsteller arbeiten momentan sehr intensiv die erforderlichen Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit ab", berichtet Wischer. "Die Kapazitäten im Bereich Forschungsschiffe sind hierzulande bereits knapp geworden."

Wie ist der Stand der Dinge? Die Mühlen mahlen langsam. Zwar haben etliche Antragskonferenzen bereits stattgefunden (siehe Tabelle), doch erst eine Genehmigung wurde erteilt. Die übrigen Projektentwickler müssen sich in Geduld üben.

- Am weitesten fortgeschritten ist bekanntlich das Projekt Borkum "West" (Prokon Nord). Als erstes größeres Vorhaben hat es die Genehmigung erhalten, nun wurde auch das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Die schwierige Frage, wo das Kabel zum Festland verlaufen soll, ist dadurch beantwortet.

- Auch das Projekt Wilhelmshaven, von einst 27 Anlagen à 1,5 MW (SW&W 2/1999) auf eine Anlage des Typs Enercon E-112 (4,5 MW) zusammengeschmolzen, reift nun zügig der Vollendung entgegen. Der Bauvorbescheid wird noch in diesem Jahr erwartet, der Megawatt-Riese könnte dann im kommenden Jahr im flachen Wasser des Jadebusens errichtet werden.

- Die Offshore Bürgerwindpark Butendiek GmbH hat ihre seit Dezember 2000 laufenden Untersuchungen für die Umweltverträglichkeitsstudie (durchgeführt von BioConsult und dem Alfred-Wegener-Institut) und zum Kollisionsrisiko mit Schiffen (durchgeführt vom Germanischen Lloyd) bereits abgeschlossen. Zusammen mit den aktualisierten Antragsunterlagen wurden die Ergebnisse nun beim BSH eingereicht, das in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbehörden die Umweltverträglichkeitsprüfung durchführt. Die UVP kann noch einmal mehrere Monate in Anspruch nehmen, parallel sichtet das BSH die Ergebnisse der anderen eingereichten Unterlagen. Wenn es nichts mehr zu beanstanden gibt, hoffen die Butendieker auf eine Genehmigung, über deren möglichen Zeitpunkt sie aber noch nicht spekulieren möchten.

- Die große Neuigkeit beim Projekt Sky 2000 war der im Mai bekannt gewordene Einstieg des Energieversorgers E.on: Die E.on Energy Projects hatte 50% der Anteile an der Show VG, dem Projektträger von Sky 2000 erworben und sich damit 80% der Bau- und Betriebsrechte an dem Windpark gesichert. Den Planungsauftrag behält weiterhin Geo, die diesen bereits 1999 von der Show VG erhielt. Geo ist wie E.on als Gesellschafterin an der Show VG beteiligt. Das Investitionsvolumen von Sky 2000 wird auf rund 200 Mill. € geschätzt. "Die restlichen 20% des Windparks werden als Bürgerwindpark finanziert, dessen Vertrieb und technische Betriebsführung voraussichtlich wir übernehmen werden", berichtet Frank Richert, Projektleiter Offshore bei Geo.

Zusätzlich zu den maximal 50 Anlagen der Leistungsklasse 2 bis 2,5 MW soll Sky 2000 auch ein Testfeld mit fünf Standorten für Prototypen der 5 MW-Klasse beherbergen. Wie Richert berichtet, ist außerdem eine Messplattform geplant, die allerdings nicht mit den "Forschungsplattformen in Nord- und Ostsee" (FiNO) des Bundeswirtschaftsministeriums verwechselt werden dürfen. Auf der Sky 2000-Messplattform sollen aber ähnliche Daten wie auf den FiNO-Plattformen erhoben werden.

"Was das Genehmigungsprozedere angeht, werden wir noch in diesem Monat die Ergebnisse aller Sky 2000 betreffenden Untersuchungen beim Ministerium für ländliche Räume einreichen und den offiziellen Beginn des Raumordnungsverfahrens beantragen. Daran anschließen wird sich das Verfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz, nachdem seit Sommer letzten Jahres alle Windenergieanlagen an Land und in der 12-Seemeilen-Zone genehmigt werden", so Richert.








Im März begannen die Untersuchungen im Rahmen der UVP für den Offshore-Standort Kriegers Flak.

Foto: WPD





- Für das Nordsee-Projekt Dan Tysk, bei dem Geo alleiniger Projektträger ist, werden die Untersuchungsergebnisse voraussichtlich im Spätherbst dieses Jahres beim BSH eingereicht. In der Nähe von Dan Tysk soll außerdem Anfang 2003 eine der drei FiNO-Plattformen errichtet werden, die anderen beiden werden bei Borkum und Rügen aufgebaut.
Geo will für Dan Tysk mit Butendiek eine gemeinsame Kabeltrasse beantragen, deren Anschluss sich in Böxlund (zwischen Niebüll und Flensburg) befindet. Von Dan Tysk bis Böxlund wird die Drehstromtrasse 120 km lang sein, "längere Drehstromverbindungen sind nach derzeitigem Wissensstand nicht machbar", meint Richert.

- Ein weiteres Projekt, an dem sich E.on bereits im August letzten Jahres beteiligt hat, ist Amrumbank West, das von der Rennert Offshore-Energieprojekte GbR beantragt wurde. E.on hat sich zu 50% an der Amrumbank West GmbH und damit an Planung, Bau und Betrieb des Windparks beteiligt. Die Projektierer haben vor kurzem geotechnische Untersuchungen - konkret eine sehr kostenaufwändige Bohrung am Standort sowie seismische Untersuchungen - abgeschlossen, um ein Fundamentkonzept entwickeln zu können. Das Antragsgebiet liegt in der Important Bird Area (IBA) 123, die von der Vogelschutzorganisation Birdlife International als Schutzgebiet vorgeschlagen wurde.
Das Bundesamt für Naturschutz ist derzeit mit der Ausweisung von FFH- und EU-Vogelschutzgebieten befasst, für die auch die IBA-Gebiete geprüft werden. Selbst wenn das IBA 123 zum offiziellen Schutzgebiet würde, sieht Ingo Rennert von der Rennert Offshore-Energieprojekte GbR darin keinen Hinderungsgrund für das Projekt: "Das Gebiet des Windparks Amrumbank West liegt seewärts der 20 m Tiefenlinie. Diese Linie stellt eine erkennbar scharfe Abbruchkante in der Vogelpopulation dar und sollte daher nach unserem Vorschlag als Westgrenze eines Schutzgebietes definiert werden."

- Auch die Enova-Unternehmensgruppe aus Bunde bei Leer ist überzeugt, mit den beantragten Flächen sehr gute Standorte im Rennen zu haben. "Mit dem Projekt North Sea Windpower haben wir relativ spät begonnen, weil erst im Dezember vergangenen Jahres die Freigabe unseres Gebietes durch die Bundesmarine kam. Unsere Fläche liegt im ehemaligen U-Boot-Tauchgebiet Area Ems. Die Umweltuntersuchungen werden seit der Freigabe zügig fortgesetzt", berichtet Diplom-Ingenieur Ralf Brinkema. "Für den Standort spricht außerdem, dass er in einer der potenziellen Eignungsflächen für die Windenergienutzung aus dem Strategiepapier der Bundesregierung vom Januar dieses Jahres liegt", ergänzt Dirk Warnecke, Projektleiter Windenergie.










Das Forschungsschiff "La Cour" untersucht die Umweltverträglichkeit von Offshore-Projekten.
Foto: Energiekontor







- Für das Projekt Enova Riffgat in der niedersächsischen 12-Seemeilen-Zone fiel im Mai eine ähnliche positive Entscheidung: Die Landesregierung definierte das Seegebiet bei Borkum neben einem zweiten nordöstlich von Wangerooge ebenfalls als potenzielles Eignungsgebiet für Windenergieanlagen. Bis Ende 2003 soll geprüft werden, ob die Gebiete als tatsächliche Eignungsgebiete ausgewiesen werden können.

- Die Bremer Energiekontor AG möchte noch in diesem Jahr die Untersuchungsergebnisse für Borkum Riffgrund und Nordergründe beim BSH beziehungsweise bei der Bezirksregierung (BZR) Lüneburg einreichen. Beim BSH wird damit die Errichtungsgenehmigung beantragt, bei der BZR Lüneburg die Eröffnung des Raumordnungsverfahrens. "Die ersten Ergebnisse der nunmehr abgeschlossenen einjährigen Untersuchungen für Borkum Riffgrund stimmen uns zuversichtlich für den planmäßigen Fortgang", meint Christoph Reuter, Projektkoordinator Offshore bei Energiekontor. Für die Genehmigung der Kabeltrasse, die für Borkum Riffgrund im Bereich der 12-Seemeilen-Zone von der BZR Weser-Ems genehmigt wird, laufen laut Reuter bereits Abstimmungsgespräche mit der BZR, außerdem werden Studien zur Ermittlung der optimalen Trassenführung durchgeführt. Was den Apell von Landes- und Bezirksregierung betrifft, sich für die Trasse mit den anderen Projektierern im Seegebiet bei Borkum abzustimmen, sagt Unternehmenssprecher Martin Bretag: "Wir streben eine Konsensfindung an, aber nur soweit sie wirtschaftlich machbar ist."

- Auch beim einzigen deutschen Projekt der Umweltkontor AG (Adlergrund in der Ostsee) geht das Genehmigungsprozedere seinen normalen Gang. Das Erkelenzer Unternehmen rechnet sich Vorteile dadurch aus, dass im Antragsgebiet seit mehreren Jahrzehnten Kiesabbau durch die OAM Baustoffe GmbH betrieben wird, der bereits "zu einer gewissen Vorschädigung des Biotops geführt" habe, wie Unternehmenssprecher Andreas Köster erklärt. Die OAM Baustoffe hat Umweltkontor auf ihrem Gebiet exklusive vertragliche Rechte eingeräumt.
Umweltuntersuchungen muss der Projektierer trotzdem machen. Mit diesen wurde im März begonnen. Als geringes Problemstuft Umweltkontor die Schiffahrt am Standort ein, denn die Untiefe Adlergrund wird von Schiffen gemieden und die nächste Hauptschiffahrtslinie ist rund zehn Kilometer entfernt. Zur Finanzierung der Projektentwicklung hat das Unternehmen außerdem einen Fonds namens >blue< sea aufgelegt, bei dem Anleger sich mit einer Mindestsumme von 15.000 € beteiligen können. Mit dem Fonds sollen die Entwicklungskosten für bis zu fünf verschiedene Offshore-Projekte, darunter auch das spanische Projekt Cabo de Trafalgar, aufgebracht werden. Wenn eines oder mehrere Projekte keine Baugenehmigung erhalten, ist ein Teil der Einlage möglicherweise für den Anleger verloren. "Es gibt aber die Möglichkeit, aus dem Fonds vorzeitig auszusteigen und einen Teil des investierten Geldes zurück zu erhalten, es handelt sich somit nicht um reines Risikokapital, meint Köster.

Nicole Paul recherchierte als freie Journalistin im Auftrag der Redaktion Sonne Wind & Wärme diesen Beitrag, der in Ausgabe 6/2002 erschienen ist. Informationen zum Branchenblatt Sonne Wind & Wärme: www.bva-solar.de.

Frage des Monats

GLOSSAR

UVU: Umweltverträglichkeitsuntersuchungen. Durchzuführen vom Antragsteller, zum Beispiel Monitoring über bestimmten Zeitraum etc.

UVS: Umweltverträglichkeitsstudie. Die wissenschaftliche und zusammenfassende Aus- und Bewertung der Untersuchungsergebnisse, anzufertigen ebenfalls vom Antragsteller.

UVP: Umweltverträglichkeitsprüfung. Prüfung und Bewertung der UVS durch die Genehmigungsbehörde.













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