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Besuch bei fünf "Gasmachern" |
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| Geschrieben von Rudolf Ites | |
| Montag, 25 November 2002 | |
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»Nirgendwo sonst kann ich mich mit Gleichgesinnten so gut über unterschiedliche technische Lösungen informieren und mit den Betreibern Tacheles reden«, erklärte Landwirt Detlef Heß aus dem fränkischen Meeder, der mit der Errichtung einer Biogasanlage liebäugelt. Heß war einer von zwei Dutzend Teilnehmern, die am 24. Mai an einer Biogas-Lehrfahrt unter Leitung der »Biogas-Urgesteine« Roland Schnell und Ekkehard Schneider im südlichen Oberbayern. Auch interessierte Studenten aus Österreich und ein Trüppchen »Biogasbewegter« aus der Bretagne waren mit von der Partie. »Ziel dieser Exkursionen ist der kritische Austausch zwischen Anlagenbetreibern und Interessierten - und dies möglichst unter Ausschluss von professionellen Anlagenanbietern«, erklärte Schneider zu Beginn. Die Betreiber sprechen so eher Klartext, verheimlichen auch die »Kinderkrankheiten« oder »Zipperlein« ihrer Anlagen nicht und machen den Interessierten Mut. Sicherlich haben solche Lehrfahrten einen bedeutenden Beitrag dazu geleistet, dass sich mittlerweile ein dichtes Netz von Anlagen über Deutschland zieht (siehe SW&W 10 – 11/2001; Seite 147). Fünf mustergültige und äußerst unterschiedliche Biogasanlagen hatte Schneider im Vorfeld ausgewählt, die von den jeweiligen Betreibern sachkundig und zugleich kritisch erläutert wurden. Die Hölzerne Der Karlshof in Ismaning, eines von zehn Gütern der Landeshauptstadt München, machte den Exkursionsauftakt: 500 bis 550 Ochsen - darunter auch die berühmten »Oktoberfest-Ochsen« – werden dort gehalten. Die Vergärung von täglich 18 bis 20 m³ Gülle und Mais, vermischt mit Ochsenmist im Verhältnis 1 : 1, findet in zwei holzverkleideten Behältern mit je 800 m³ Inhalt statt. Der Bakterienstamm im Fermenter wird mittels Bodenheizung konstant bei 35 °C gehalten; die Verweildauer beträgt 30 Tage. Zwei BHKW-Modul (70 kW je Motor) erzeugt die Wärme für den Fermenter und beheizt zwei Wohnungen und das Verwalterhaus. Bei optimalem Betrieb kann die die Anlage rund 3.400 kWh täglich ins Netz einspeisen. Obwohl die Biogasanlage bereits seit zwei Jahren in Betrieb ist, »stecken wir noch in der Probierphase«, verriet Franz Mösl, der sich bis zu zwei Stunden täglich der Anlagenbedienung widmet. Als Beispiel nannte er das momentane Schaumproblem: Durch das Einpumpen - ein Sprinklersystem besitzt die Anlage nicht - von täglich 20 Litern Rapsöl habe man die Schaumbildung zwar eindämmen können, doch nun müsse noch das optimale Rührverhältnis des Tauchpropeller-Rührwerks gefunden werden. Obwohl die Biogasanlage bereits seit zwei Jahren in Betrieb ist, »stecken wir noch in der Probierphase«, verriet Franz Mösl, der sich bis zu zwei Stunden täglich der Anlagenbedienung widmet. Als Beispiel nannte er das momentane Schaumproblem: Durch das Einpumpen - ein Sprinklersystem besitzt die Anlage nicht - von täglich 20 Litern Rapsöl habe man die Schaumbildung zwar eindämmen können, doch nun müsse noch das optimale Rührverhältnis des Tauchpropeller-Rührwerks gefunden werden.
Biogasanlage Egner Hof
Beeindruckend - wenn auch nicht auf den Bedarf der Exkursionsteilnehmer übertragbar - ist die Vergärungsanlage Kirchstockach/Brunnthal. Die vom Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen geförderte 16 Mill. €-Investition (Gesamtfläche 12.000 m²) wurde vor fünf Jahren in Betrieb genommen. Etwa 25.000 t Bioabfälle der Stadt und des Landkreises München werden dort zu jährlich 2 Mill. m³ Biogas bzw. 4 Mill. kWh Strom umgewandelt. Ein geschätztes Nebenprodukt sind die anfallenden Hydrolysereste, immerhin rund 8.500 t jährlich, die als Torfersatz Verwendung finden. Die Marke Eigenbau »Ich würde mit keiner anderen Anlage tauschen wollen«, berichtete Leonhard Hinterholzer aus Münsing von seiner Biogasanlage, die er selbst ertüftelt hat, »doch ich hätte sie anders gebaut, weniger eilig. Aber 1997 musste alles fertig sein, wegen der Fördermittel.« Hinterholzers 75 ha großer Betrieb umfasst überwiegend Grünland und 180 Rinder. Von der einstigen Eile ist an der überwiegend unterirdischen Anlage, die durch eine unscheinbare, aber pfiffige »Einstiegsluke« im Hofboden zu erreichen ist, allerdings nichts zu sehen. Pfiffig ist auch das installierte Warnsystem: Sollte Gas entweichen, klingelt Hinterholzers Telefon Sturm. Sein Bruder, ein Elektriker bei Siemens, hilft ihm ständig beim Optimieren der Biogasanlage. Franz Mösl widmet sich 2 Sunden täglich seiner Biogasanlage
Die Edle Von völlig anderer Machart ist die mit je 7,5 m³ Rossmist und Gras-Silage betriebene und in nur viermonatiger Bauzeit realisierte Anlage des Biolandbetriebes Urban in Eurasburg – einem der ganz wenigen Biolandbetriebe mit solch einer technischen Ausstattung. Ähnlich der vorher besuchten Anlage wurde sie weitgehend unterirdisch errichtet. Hans Urban hatte bei dem erst zwei Jahre alten System zunächst mit technischen Problemen, aber auch mit einigen missgünstigen Nachbarn zu kämpfen, erläuterte er freimütig und im Beisein von Hans Hochreiter, der die Anlage geplant und erbaut hat. Das technische (wenn gleich nicht das nachbarschaftliche) Problem hat Urban nun im Griff: Der unterschiedlich stark mit Hobelspänen versetzte Rossmist von Höfen der Umgebung sorgte anfangs für stark unterschiedliche Gasqualitäten und »brachte die Motoren zum Knattern«. Die Paddel des Rührwerks (15 kW) in vier Metern Tiefe lassen sich variieren und rühren alle zwei Stunden für 15 Minuten nach oben oder unten. Die Einbringung erfolgt mit einer Eintragsschnecke (15 m³ täglich). Die Blaue Zehn Jahre schon war Xaver Egner aus Obersöchering an einer Biogasanlage interessiert, bis er sie vor zwei Jahren realisierte: ein blau emaillierter Stahlbehälter mit Folienabdeckung und Eintragsschnecke. Sein Wunsch: »Es durfte von Anfang an keine Schwierigkeiten geben. Ich wollte eine schlüsselfertige Anlage und lediglich die Fundamente selbst erstellen«. Am »Basteln«, das er ursprünglich vermeiden wollte, kam Egner doch nicht völlig herum. Das Abdichten der Gashaube machte ihm anfangs zu schaffen und die Rührdüsen des hydraulischen Rührwerks mussten umkonstruiert werden. Sind die innen ausgeschäumten Behälter beständig? Könnte der nicht isolierte Boden der Anlage ein Problem werden? Antworten auf diese Fragen und zu anderen Aspekten seines mit täglich maximal 2 t Gras-Silage und 16 m³ Gülle betriebenen Anlagenprototyps konnte Egner nach so kurzer Betriebszeit noch nicht geben. Dennoch schwört der Landwirt auf seine lang geplante Anschaffung, die ihn täglich etwa eine halbe Stunde auf Trab hält, und das »zähe Gras« und die Silage, mit der er sie betreibt: »Sehr ertragreich, aber wegen des hohen Eiweißgehaltes leider auch zum Schäumen neigend«, meinte er. Rudolf Ites schrieb als freier Journalist im Auftrag der Redaktion Sonne Wind & Wärme diesen Beitrag, der in Ausgabe 7/2002 erschienen ist. Informationen zum Branchenblatt Sonne Wind & Wärme: www.bva-solar.de.
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Die Biogas-Lehrfahrt Oberbayern Ende Mai machte allen Teilnehmern vor allem eines klar: Biogasanlagen erfordern eine sorgfältige Planung, benötigen ein ständiges »Feintuning« – und machen den tüftelnden Betreibern dennoch Freude.... 


