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Der Funke springt über |
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| Geschrieben von Jens-Peter Meyer | |
| Donnerstag, 22 November 2001 | |
In Österreich ist der Brennstoff Holz in Form der Pelletheizung schon länger auf dem Vormarsch. Deutschland zieht jetzt nach. In der Branche herrscht Aufbruchstimmung.
Links zum Thema - Marktübersicht Pelletsheizungen Experten wie Babara Pilz vom Biomasse Info Zentrum (BIZ) der Universität Stuttgart rechnen damit, dass in den nächsten Jahren 5 bis 10% der alten Ölheizungen auf Holz umgestellt werden. Eine besondere Chance bietet die Energieeinsparverordnung, die Anfang Februar in Kraft trat. Denn bis zum Jahr 2006 müssen die alten, vor 1978 installierten Heizungen ersetzt werden. Da sollte doch ein gutes Stück vom Kuchen zu holen sein. Aber keine Chance ohne Risiko. Gelingt dem Pellet in den kommenden Jahren der Durchbruch nicht, so ist der Zug zunächst abgefahren. Denn so schnell steigt derjenige, der sich wieder für Öl entschieden hat, dann nicht mehr um. Die Branche hat die Zeichen der Zeit erkannt. Im Sommer 2001 hat sich mit dem Deutschen Energie-Pellet-Verband (DEPV) eine zentrale Stelle für Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit gebildet. Außerdem gibt es auch noch den Deutschen Pelletverband, einen Ableger des Pelletverbands Austria. Als GmbH organisiert, versteht sich dieser Verband als Marktinginstrument der Pellethersteller sowie einiger Kesselproduzenten und plant für dieses Jahr groß angelegte Pressekampagnen in Deutschland.
Die Zeichen stehen günstig, denn schon im Jahr 2001 hat sich die Zahl der installierten Anlagen von 2.500 auf fast 5.000 verdoppelt. Insgesamt sind nun mehr als 8.000 Pelletheizung in Deutschland in Betrieb. Und das, obwohl die Kürzung der Fördersätze des Marktanreizprogramms im Sommer einen starken Einbruch verursacht hatte. Diese Daten hat die Solar Promotion GmbH aus den Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für automatisch beschickte Anlagen unter 35 kW ermittelt. Die Zahl der Anträge deckt sich – so die Annahme der Solar Promotion - mit der Gesamtzahl aller aufgestellten Pelletkessel, weil unter 35 kW fast ausschließlich Pelletkessel installiert werden und über 35 kW nur wenige. Laut Geschäftsführer Markus Elsässer ist das Gesamtvolumen des Marktes von knapp 35 Mill. € (2000) auf fast 70 Mill. € (2001) angestiegen. Neben den Pelletzentralheizungen sind auch Pelleteinzelöfen auf dem Markt, die entweder einzelne Räume beheizen oder ebenfalls als Zentralheizung fungieren können. Diese Systeme haben allerdings Nachteile. Da trotz Wärmetauschern immer ein erheblicher Teil der Wärme über Strahlung in den Raum abgegeben wird, in dem der Ofen steht, muss die Bauweise des Hauses sehr offen sein, sonst besteht die Gefahr von Überhitzung. Außerdem verbreitet die Luftzug gesteuerte zappelnde Pelletflamme lange nicht so eine behagliche Atmosphäre wie ein Scheizholzkaminofen. Dennoch haben Pelletöfen nach Angaben des DEPV derzeit einen Marktanteil von 30%. Auch für das laufende Jahr rechnen die Experten mit weiterem starken Wachstum. Die verbesserte Förderung von mindestens 1.500 € pro Anlage ist für Walter Gögler (Rennergy) ausreichend, um einen richtigen Boom auszulösen. Auch Reinhard Primavesi (KS&P) sieht Deutschland als den interessantesten Markt an: „Der Boom, der in Österreich schon ungefähr vor zwei Jahren begonnen hat, springt jetzt zeitverzögert in Deutschland an.“ Er rechnet mit großen Stückzahlen, die in den nächsten Jahren über die Laderampen der Hersteller gehen. Bei KWB gingen im vergangenen Jahr 20% der Anlagen nach Deutschland. „Heuer rechne ich damit, dass Deutschland Topschwerpunkt für uns wird“, prognostiziert Kurt Jaurschnegg (KWB). „Der österreichische Markt ist bald gesättigt. Da drängt alles nach Deutschland.“ KWB plant schon weiter: 2003 soll der Sprung nach Frankreich und in die Benelux-Länder gelingen. Doch der schnell wachsende Markt birgt auch Gefahren. „Ein Problem ist, dass Schnellschüsse ohne ausgereifte Technik auf den Markt kommen könnten“, sagt Helmut Gastl (Ökofen). Auch der Ausbildungsstand der Installateure hinke hinterher. Bei Firmen, die Pellets nur als Nebenprodukt führen, ist die Ausbildung in Sachen Pellettechnik nicht immer Schwerpunkt und so könnte es zu Fehlern in der Montage kommen – mit negativen Folgen für den Ruf der ganzen Branche. Auch die finanziellen Probleme mancher Firmen in den vergangenen Monaten führt Gastl auf nicht ausgereifte Produkte zurück. Dass die Branche in Bewegung ist, zeigt auch die kürzliche Übernahme von Lohberger durch Herz. Bei aller Vielfalt der Produkte lassen sich zwei unterschiedliche Gruppen von Pelletkesseln ausmachen. Zum einen die mit skandinavischer oder osteuropäischer Technik, die preisgünstig sind, aber einen hohen Betreuungsbedarf haben. Zum anderen die stärker automatisierten Produkte von österreichischen und deutschen Herstellern, die deutlich mehr kosten. Eine weitere Gefahr für die junge Branche: Kunden, die nur auf den Preis schauen, können in ihren Erwartungen an den Komfort der Heizung enttäuscht werden.
Pelletproduktion noch schwach Und wie sieht die Versorgung mit dem Brennstoff Pellet aus? Hubert Müller (Ferro) gibt das Potenzial der Biomasse als Brennstoff mit 12,5% des Primärenergiebedarfs in Deutschland an. Barbara Pilz geht davon aus, dass 1 Mill. Heizungen in Deutschland mit Pellets betrieben werden könnten. Doch das sind Abschätzungen. Wer heute einen Pelletkessel im Keller stehen hat, der will sich nicht sorgen müssen, ob er auch für den nächsten Winter genug Pellets bekommt. In Deutschland gibt es momentan noch nicht ausreichend Pellethersteller. Man ist auf Zulieferungen aus Österreich, Tschechien und Skandinavien angewiesen. Das gilt weniger für den Süden der Republik, dafür umso stärker für den Norden, der zurzeit Pelletdiaspora ist. Solange es kaum Anlagen gibt, lohnt sich die Produktion von Pellets nicht und wenn es keine Pelletproduktion vor Ort gibt, zögern die Hausbesitzer ihre Heizung umzustellen. Das klassische „Henne-Ei-Problem“. Ein Problem, das sich nach Ansicht des DEPV von alleine lösen wird. Schon jetzt gibt es Pellethersteller, die in ganz Deutschland liefern. Allerdings zu einem Preis, der im Norden 10 bis 20% höher ist. Hier liegt eine Mischkalkulation zugrunde, die die Transportkosten über weite Strecken nicht vollständig deckt. In spätestens zwei Jahren, ist der DEPV überzeugt, hat die Pelletproduktion in Norddeutschland nachgezogen und die regionalen Preisunterschiede gehören dann der Vergangenheit an. Was die Einschätzung des Pelletpreises angeht, ist die Branche uneins. Für Ernst Gerlinger (Biokompakt) sind die kleinen Holzpresslinge nach wie vor zu teuer, um mit Öl konkurrieren zu können: „Sobald der Ölpreis wieder anzieht, sieht das ganz anders aus, aber im Moment haben es Pellets schwer.“ Hubert Müller (Ferro) sieht das jedoch anders: „Pellets sind etwa preisgleich mit Heizölpreisen von 0,35 €/Liter.“ Sehr viel günstiger sind Hackschnitzel und Getreide, die ein Drittel weniger kosten. Daher bietet Ferro Kessel an, die mit geringem Zeitaufwand vom Brennstoff Pellets auf Hackschnitzel oder Getreide umgebaut werden können. Solar plus Pellet ist gefragt Nicht selten kombinieren Häuslebauer ihre Pelletheizung mit Solarwärme. Solution und Paradigma beispielsweise verkaufen 50% ihrer Kessel gemeinsam mit Sonnenkollektoren. Bei Wagner sind es sogar zweidrittel. Für Christof Geiger (Wagner) ist das keine große Überraschung, denn die Cölber Solarfirma arbeitet mit Solarfach- und weniger mit Heizungsfachbetrieben zusammen. Gute Erfahrungen hat man bei Rennergy mit Großflächenkollektoren von SET gemacht, die im Komplettpaket mit der Pelletheizung angeboten werden. Aber auch Vakuumröhren sind bei der Buchenberger Firma im Programm. Rund 20% der aller verkauften Pelletanlagen gehen mit Sonnenkollektoren über den Tisch. Im Neubau bereiten sogar fast 90% der Rennergy-Kunden den Einbau von Kollektoren vor, die Ausführung hapert dann aber oftmals am knappen Budget. Viele Pelletzentralheizungen haben mittlerweile eine hohen technischen Stand erreicht. Dennoch feilen die Entwickler an weiteren Verbesserungen. Durch zusätzliche Wärmetauscher kann beispielsweise der Wirkungsgrad weiter gesteigert werden. Bei Perhofer arbeitet man daran, ohne separate Luftregelung auszukommen. Bislang steuert ein Luftregler die Verbrennung, der von der Brennraumfüllsensorik mit Informationen versorgt wird. Ohne Luftregler vereinfacht sich die Regelung und dadurch sinkt der Preis des Gerätes. Laut Manfred Salmhofer (Perhofer) können durch das neue Konzept die Emissionswerte verbessert werden. Mittelfristig ist auch Kraft-Wärme-Kopplung ein Thema für die Ingenieure in den Entwicklungsabteilungen. Der Stirling-Motor soll dann kombiniert mit dem Pelletbrenner für die hauseigene Stromproduktion sorgen. Auch über Brennwerttechnik im Holzkesselbereich wird nachgedacht. Doch durch den hohen Ascheanteil im Holz ist die Realisierung äußerst schwierig. Mit mindestens zehn Jahren Entwicklungszeit rechnet Manfred Klinger (Windhager) dafür noch. Jens-Peter Meyer schrieb als freier Journalist im Auftrag der Redaktion Sonne Wind & Wärme diesen Beitrag, der in Ausgabe 3/2002 erschienen ist. Informationen zum Branchenblatt Sonne Wind & Wärme: www.bva-solar.de.
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In Österreich ist der Brennstoff Holz in Form der Pelletheizung schon länger auf dem Vormarsch. Deutschland zieht jetzt nach. In der Branche herrscht Aufbruchstimmung.



