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Offshore - Finanzierung: Finanzbranche macht seeklar |
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| Geschrieben von Jörg Iken | |
| Sonntag, 27 Juli 2003 | |
Immer deutlich zeichnet sich ab, dass die Finanzierung der Offshore Windparks zu einem großen Problem der Windenergiebranche wird. Deshalb ist es kein Zufall, dass im Mai kurz hintereinander zwei Tagungen stattfanden, die sich mit diesem Thema befassten.
Finanzbranche macht seeklar Auf See gelten andere Maßstäbe. Während man den Ausbau der Windenergienutzung auf dem Festland, also onshore, bis heute noch mit mittelständischen Beteiligungsmodellen geschultert werden kann, muss die Branche sich nach wirklich finanzstarken Partnern umsehen, um die geplanten Offshore-Windparks auf den Weg zu bringen. Immerhin geht es bei einzelnen Projekten in Nord- und Ostsee um Investitionsvolumina von 500 Mill. € bis weit über 1 Mrd. €. Dafür sind die mittelständischen Strukturen der Windbranche nicht geeignet. Zum Glück hat nun auch die Finanzbranche das Thema »Offshore-Windparks« entdeckt. Die Tagungen, auf denen sich Wind-, Finanz- und Versicherungsbranche treffen und Meinungen austauschen, häufen sich. Anfang Mai etwa schloss mit einer Expertenkonferenz in Hamburg der »Offshore Finance Circle (OFC)« eine Veranstaltungsreihe über sechs Runden ab, in der Banken, Versicherungen und Vertreter der Windbranche offene Fragen der Finanzierung von Offshore-Windenergieprojekten diskutierten. Konkrete Ergebnisse brachte der OFC bisher nicht zustande. Aber: »Ich finde es gut, dass die Finanzbranche anfängt, den Prozess so früh mitzugestalten«, freute sich OFC-Schirmherr Norbert Allnoch, im Hauptberuf Leiter des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) in Münster (www.iwr.de). Er zeigte sich davon überzeugt, dass sich nationale oder internationale Bankenkonsortien finden lassen, die die geplanten Projekte finanzieren. Spiel in einer völlig anderen Liga Im Großen und Ganzen zuversichtlich zeigt sich auch der Leiter des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energien bei der Commerzbank, Torsten Hinsche. Er drückte der »2. Tagung Offshore-Windenergie« des Germanischen Lloyd (GL) (www.gl-wind.org) – sie fand Ende Mai ebenfalls in Hamburg statt – seinen »finanzwirtschaftlichen« Stempel auf. Hinsche nahm kein Blatt vor den Mund: »Denken Sie um, lösen Sie sich von den bisherigen Standards«, forderte er die Teilnehmer aus der Windkraftbranche auf. »Wir spielen hier in einer völlig anderen Liga.« Hinsche erläuterte den Teilnehmern am Beispiel eines üblichen Ratingverfahrens, wie die Banken die Kreditfähigkeit eines Projektes beurteilen. Stichwort: Basel II (sieh unten). Die neuen Richtlinien zwingen die Banken zu einer strengen Bewertung der Kreditrisiken. Und die gibt es aus Sicht der Banken im Offshore-Bereich zur Genüge. Die Banken unterscheiden zwischen einem Bonitätsrisiko, das die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers beschreibt, und dem eigentlichen Kreditrisiko. Zum Bonitätsrisiko: Hinsche geht davon aus, dass Offshore-Projekte von Anfang an von einem »Banking Engineer« begleitet werden. Seine Aufgabe wird die Abschätzung der Risiken sein, die mit der Einführung der neuen Technologie verbunden sind und die die Banker nicht allein beurteilen können. Wo früher ein dicker Ordner mit Geschäftsunterlagen genügte, steht heute die persönliche Begleitung des Projektes im Vordergrund. »Wir können uns ja nicht auf Erfahrungswerte verlassen, weil die nicht vorliegen«, resümiert Hinsche die Situation. Wer kann die Kreditrisiken tragen? Die allgemeinen Voraussetzungen – also die Bonität des Kreditnehmers – seien für ihn ohnehin nur gegeben, wenn ein potenter Generalübernehmer den Bau des Parks übernehme. »Mittelständische Auftragnehmer kommen hierfür nicht in Frage«, stellte Hinsche klar. Der Generalübernehmer muss die Voraussetzungen erfüllen, die die Banken an einen »klassischen Sponsor« stellen - also an ein Unternehmen, dass die Kreditrisiken aus eigener Bonität tragen kann. Hinsche sieht zurzeit nur große Energieversorger, die diesen Anspruch erfüllen. Am Beispiel des klassischen Sponsors machte Hinsche den Zusammenhang zwischen Rating und Kreditvergabe deutlich: »Ist der Kreditnehmer kein klassischer Sponsor, dann müsste er zum Beispiel eine Eigenkapitalquote von 40% für das Projekt aufbringen, um noch eine akzeptable Bonität zu erreichen.« 40% Eigenkapital bei einem Offshore-Projekt sind mehrere hundert Millionen Euro. Klarer Fall: Das schafft in der Windenergiebranche niemand. Trotz eines Generalübernehmers sind die Subunternehmer der Windbranche aber keineswegs aus der Verantwortung entlassen: Die Banken behalten sich die Prüfung des so genannten »kumulativen Risikos« bei den mittelständischen Zulieferern vor. So wird ein Windenergieanlagenhersteller, der in zwei oder mehr Offshore-Projekten involviert ist, das Ratingergebnis absenken. Die Anforderungen an ein gutes Bonitätsrating sind noch überschaubar, doch beim eigentlichen Kreditrating häufen sich die Fragezeichen. Ein zentraler Punkt für die Banken ist die Minimierung des Betriebsrisikos. Aus Sicht der Banken ist der Betrieb sogar die heikelste Phase der Kreditlaufzeit. »Der Betrieb ist der Cash-Flow-Garant für den Kapitaldienst«, machte Hinsche klar. Vereinfacht ausgedrückt: Nur wenn sich die Rotoren fleißig drehen und die Anlagen ordentlich Strom erzeugen, bekommt der Kapitalgeber sein Geld zurück. Das ist natürlich auch bei kleinen Windparks auf dem Festland so. Allerdings sind die Risiken dort erheblich geringer. So setzt eine gute Beurteilung des Betriebsrisikos aus der Sicht der Kreditinstitute die Serienreife der Anlagen voraus. Hinsche nannte ein Beispiel aus dem Anlagenbau: »Üblicherweise setzen wir hier eine Fertigung von 150 Stück und einen dreijährigen Betrieb voraus«. Das erfüllt bisher keine Offshore-Anlage. Ist das ein K.O.-Kriterium für einen Kredit? Verlängerte Haftung des Herstellers? Hinsche wies darauf hin, dass es über die Gründungs- und Einspeisungskosten allenfalls grobe Schätzungen gibt und dass er noch kein endgültiges Wartungskonzept kenne. Geringe Risiken sehe er allenfalls beim Absatzrisiko. »Das steht nicht im Vordergrund«, sagt er, denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz sichert die Vergütung des eingespeisten Stroms über viele Jahre. Zu klären wären allerdings schleunigst Fragen der Netzanbindung und insbesondere des Netzausbaus. Hinsche wollte mit seinen Ausführungen die Windbranche keineswegs abschrecken. Er betonte, dass sich die Commerzbank weiterhin für die Mittelstandsfinanzierung stark macht und an konstruktiven Lösungen für die Offshore-Parks arbeitet. Hinsche gab aber zu, dass für die Windbranche die »Wurst hoch hängt«. Den Banken bliebe angesichts der Basel-II-Richtlinie aber keine andere Wahl – den deutschen Banken schon gar nicht. Ihnen gehe es wirtschaftlich schlecht. »Die deutschen Banken liegen mit einer Marge von 1,5% aus dem Kreditgeschäft weltweit ganz hinten«, stellt er fest. Wurst hoch oder tief – Hinsche glaubt, dass die Probleme lösbar sind. Da trifft er sich mit seinem Gegenüber Norbert Allnoch. Der behauptet von der Finanzbranche: »Die sehen das ganz cool. Die schätzen das Risiko ab und verdienen dann Geld.« Hinsche weist in die gleiche Richtung: »Wir halten die Windenergie für zukunftsträchtig«, sagt der Banker. »Aber Geld verdienen heißt auch: Risiko vermindern.« Den Bericht erstellte der freie Autor Jörn Iken im Auftrag der Redaktion Sonne Wind & Wärme. Der Artikel erschien in der Ausgabe 7/2003. Weitere Informationen über das Branchenblatt unter: http://www.sonnewindwaerme.de |
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Immer deutlich zeichnet sich ab, dass die Finanzierung der Offshore Windparks zu einem großen Problem der Windenergiebranche wird. Deshalb ist es kein Zufall, dass im Mai kurz hintereinander zwei Tagungen stattfanden, die sich mit diesem Thema befassten.

