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Wie lukrativ sind Windfonds?

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Geschrieben von Bärbel Epp   
Saturday, 21 September 2002
"Renditen taugen nicht als ehrliche Werbeträger denn Initiatoren von Windparks haben viel zu viele Möglichkeiten die Renditen in ihren Prospekten künstlich schön zu rechnen", betont Dr. Martin Witt, Vorstandsmitglied des Berliner Finanzdienstleisters FondScope im Interview mit Sonne Wind & Wärme. ....

SW&W: Herr Dr. Witt, Sie sind Vorstandsmitglied des Berliner Analystenhauses FondScope, das im vergangenen Jahr die Seriosität und Plausibilität von 250 geschlossenen Fonds nachprüfte. Wind- und PV-Fonds sind auch dabei. Es scheint, man kommt als Finanzdienstleister um Beteiligungsangebote aus dem Bereich Regenerative Energien nicht mehr herum?

Martin Witt: Tatsächlich machten Windenergiefonds, gemessen am insgesamt platzierten Eigenkapitalvolumen im Jahr 2001, nur etwa 6 % des Gesamtmarktes aus. Gemessen am Verhalten der Anleger ist das Interesse jedoch viel größer. Kein Fondstyp wird so schnell platziert wie Windfonds. Zum Teil vergehen von der Emission bis zur Platzierung nur wenige Wochen. Für Anleger eine schwierige Situation, weil sie sehr häufig keine Möglichkeit haben, den gewünschten Fonds vor der Zeichnung noch eingehend zu prüfen.

SW&W: Der Run auf Windfonds ist also ungebremst. Was macht diese Geldanlage für Kommanditisten so interessant?

Martin Witt: Zum einen ist es die steuerliche Gestaltung von Windfonds. Nach den Medienfonds ist dies eine der wenigen geschlossenen Fondsarten, die in der Investitionsphase noch in deutlichem Maß ein negatives steuerliches Ergebnis ausweisen - durchschnittlich 78 %. Basis dafür ist die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen. Zum Vergleich: der klassische inländische Immobilienfonds kommt nur noch auf durchschnittlich 24 % steuerlicher Verlustzuweisung. Auch die Weichkosten, also beispielsweise die Kosten für Ertragsgutachten, für die Koordination von Vertrieb und Marketing oder die Prospektprüfung, liegen im Durchschnitt mit 7,4 % bezogen auf das Fondsvolumen sehr niedrig im Vergleich zu den anderen geschlossenen Fonds. Der Anleger profitiert vom »Renditehebel«, der bei den geschlossenen Windkraftfonds durch die hohe Fremdfinanzierungsquote über Förderdarlehen – in der Regel durchschnittlich 70 % - ermöglicht wird.

Die durchschnittliche Mindestbeteiligung ist bei Windfonds mit 9.350 € am niedrigsten. Das zieht zusätzlich Anleger mit kleineren Einkommen an. Außerdem sind Windkraftfonds wesentlich kalkulierbarer als andere Fondstypen, jedenfalls dann, wenn die Standortgutachten stimmen. Sie haben den Vorteil relativ verlässlicher, langfristiger Ertragsschätzungen, die nicht der Nachfrage und damit Preisschwankungen der Weltmärkte unterliegen; dazu tragen insbesondere die im Erneuerbaren-Energien-Gesetz festgelegten Verpflichtungen bei.

SW&W: 240 € kostet eine Ihrer Analysen eines Windfonds. Das scheint für Privatanleger zu teuer. An wen richtig sich Ihr Angebot?

Martin Witt: Unser Angebot richtet sich in erster Linie an alle Dienstleister im Markt, die über das FondScope-Analysesystem ihre Kunden, also die Kapitalanleger, kompetenter beraten können. Somit ist die Anforderung von Einzelanalysen durch den Anleger auch die Ausnahme. Wir verkaufen hauptsächlich Jahreslizenzen für alle Analysen, die in der kleinsten Einsteigerversion für Finanzdienstleister ab 500 € zu bekommen sind. Je nach Spektrum und Leistungskomponenten kann diese Gebühr dann auf bis zu 50.000 € im Jahr ansteigen.

SW&W: Manche unterstellen, dass Windfonds von Technikern erstellt werden, die in finanzrechtlichen Fragen Dilettanten sind. Bekommen Windfonds bei Ihnen schlechtere Noten als geschlossenen Fonds in anderen Bereichen?

Martin Witt: Bei Windkraftfonds wie auch bei anderen Fondstypen gibt es natürlich Initiatoren, die mehr Objekt- als Fondsspezialisten sind. Die FondScope-Analyse erfolgt grundsätzlich entsprechend ihrer Risikostruktur. Deshalb sind die Erfahrung und das Knowhow der Fondsinitiatoren relevante Kriterien, deren Fehlen entsprechend negativ bewertet wird.
Allerdings: Auch die Windkraft-Initiatoren werden in der Regel von erfahrenen Steuerberatungsbüros und renommierten Anwaltkanzleien im Bereich der Prospektierung beraten und halten sich zum überwiegenden Teil inzwischen an die IDW-S4-Standards zur Prospektierung (siehe Kasten). Dennoch kann ein Fonds, der den IDWS4-Standard einhält, sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht rechnen. Es ist unsere Aufgabe, dies sachgerecht zu prüfen.

NEG 44 / 750
Foto: NEG-Micon

»Niedrigsten Windgutachtenwert für die Ertragsberechnung nutzen«

SW&W: Im aktuellen Fall Energiekontor kam es aufgrund erheblicher Unterschreitungen der prognostizierten Erträge nun zu Rückkaufangeboten von Seiten des Fondanbieters. Ist das nur die Spitze vom Eisberg? Kommen weitere Fonds mit Fehlprognosen auf die Branche zu?

Martin Witt: Nach FondScope-Einschätzung kann das schon der Fall sein. Dies resultiert vor allem aus der Tatsache, dass die meisten Anbieter bei den Ertragsprognosen den Mittelwert der Gutachten zugrunde legen. Sicherer wäre es, den niedrigsten Gutachtenwert für die Ertragsberechnung zu nutzen, um Schwankungen in den Windprognosen abzufangen.

SW&W: Die Rendite als schlichte Prozentzahl ist umstritten, weil sie leicht mit dem Zinssatz festverzinslicher Anlagen verwechselt werden kann. Halten Sie Renditen für einen ehrlichen Werbeträger für Fondsangebote?

Martin Witt: Nein, Renditen taugen nicht als ehrlicher Werbeträger, da gibt es für die Initiatoren einfach zu viele Möglichkeiten, um künstlich »schön zu rechnen«. FondScope bezieht die Rendite trotzdem in die Bewertung von Fonds ein, allerdings auf der Basis eines einheitlichen Berechnungsmodus und unter Prüfung ihrer Plausibilität. Je schöner die Rendite zuvor gerechnet wurde, desto niedriger fällt in der FondScope-Analyse der Plausibilitätswert aus. So können Fondsprodukte und ihre Renditen tatsächlich sinnvoll miteinander verglichen werden.

SW&W: Noch vor wenigen Jahren kamen im Windbereich die reinen Abschreibungsprojekte in Verruf. Inzwischen hat der Gesetzgeber durch den §2b (negative Einkünfte aus Beteiligungen können nur noch eingeschränkt mit Einkünften ausgeglichen werden) einen Riegel vorgeschoben. Hat das die geschlossenen Windfonds nachhaltig verändert?

Martin Witt: Die Verlustzuweisungen im Bereich Windkraft resultieren im Wesentlichen aus Sonderabschreibungen sowie überdimensionierten Fremdfinanzierungsquoten durch Förderdarlehen, die auf Ebene der Fondsgesellschaft aufgenommen werden. Die Verluste sind damit im Windkraftbereich nur geringfügig zurückgegangen. Außerdem war die Weichkostenquote bezogen auf das Fondsvolumen - der Hauptverlustbringer bei anderen Fondsarten - im Windkraftbereich längst nicht so ausgeprägt. Insofern sind die verschärften steuerlichen Bedingungen, mit denen die Branche insbesondere im Immobilienbereich zu kämpfen hat, für die Windkraftfonds kaum von Bedeutung.

SW&W: Die Standorte im Inland werden zunehmend rar. Haben sie schon den ersten Fondsangebote für Auslandsprospekte und Off-Shore-Windparks geprüft? Auf was kommt es dabei besonders an?

Martin Witt: Energiekontor hat mit dem Fonds »Zarax« für ein griechisches Projekt jüngst den ersten Auslandsfonds auf den Markt gebracht. Grundsätzlich werden wir bei der Analyse ähnlich vorgehen wie bei deutschen Fonds. Entscheidend ist natürlich die jeweilige Einspeisevergütung, ohne die kein Initiator einen Windfonds auflegen wird.
Was den Bereich Offshore angeht, so ist es leider noch Zukunftsmusik, so gespannt wir auch die Entwicklung verfolgen. Es gibt bislang zwei Projekte, die in Offshore-Wind investieren, der »blue sea« von Umweltkontor und der Offshore-Windpark »Butendiek«. Beides sind aber keine Windenergiefonds, sondern vielmehr Venture-Capital-Fonds oder so genannte Projektentwicklungsfonds: Sie investieren in ein Projekt, das noch in den Kinderschuhen steckt, das eingesammelte Kapital fließt allein in die Forschung, Entwicklung und die Genehmigungsverfahren.
Wie der einzig bislang genehmigte Offshore-Windpark der Prokon Nord finanziert wird, steht noch nicht fest. Man hat sich jedenfalls nicht von Anfang an für einen geschlossenen Fonds entschieden.

Bärbel Epp, Redakteurin der Zeitschrift Sonne Wind & Wärme führte dieses Interview, das in der Ausgabe 9/2002 erschien. Informationen zum Branchenblatt Sonne Wind & Wärme: www.bva-solar.de

Links:
FondScope | Sonne, Wind & Wärme

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