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Immer in der ersten Liga

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Geschrieben von Jörg Iken   
Freitag, 09 Mai 2003

Fritz Vahrenholt glaubt an Hochtechnologie und an Ingenieurskunst. Und er eilt von Erfolg zu Erfolg. Seine öffentlichkeitswirksamen Auftritte machten ihn zu einem der bekanntesten Manager der Windenergiebranche...

Eines kann man dem habilitierten Chemiker Fritz Vahrenholt nicht nachsagen: Dass er für seine Überzeugungen nicht gerade steht. Zweimal ist Vahrenholt aus hohen Positionen „rausgegangen“, weil das Umfeld nicht mehr passte. Das erste Mal 1997, als die SPD in Hamburg nach der Bürgerschaftswahl auf eine rot-grüne Koalition zusteuerte. Er hatte sich in den Jahren 1993 bis 1994 als sozialdemokratischer Umweltsenator profiliert, wenn auch nicht bei allen beliebt gemacht. Er galt als "Grünenfresser". Vahrenholt stellte sich nach der Wahl 1997 parteiintern als Bürgermeisterkandidat des rechten SPD-Flügels gegen den rot-grünen „Schmusekurs“ und befürwortete eine Koalition mit der CDU. Die Partei ist ihm mit dieser Vorstellung nicht gefolgt – Vahrenholt „ging raus“ und zum „Erzfeind“ der Umweltschützer, zu Shell.

Der Ölmulti hatte nach dem Brent-Spar-Desaster einen gewieften PR-Mann wie Vahrenholt bitter nötig. Dieser wiederum hatte mit einem Konzern wie Shell keine Probleme. Denn mit Öko-Aktivisten und Technikkritikern hatte Vahrenholt noch nie viel am Hut – auch nicht mit denen in seiner eigenen Partei. "Ökochonder" nannte er 1996 in einem Spiegelinterview diejenigen, die sich gegen Hochtechnologie als Problemlöser wandten. Oder noch hämischer in der Zeit vom 23.5.2002 als "selbst ernannte Hohepriester der rückwärtsgewandten ökologischen Trampelpfade in das sichere Idyll". Gemeint waren diejenigen, die sich gegen "Fusionsforschung" und "inhärent sichere Kernkraftwerke" als Elemente einer zukünftigen Energiepolitik aussprachen. Im gleichen Artikel prognostizierte er der Solarenergie für die nächsten Dekaden "ein Mauerblümchendasein".

Wolf von Fabeck, Solar-Urgestein und Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins (SFV) in Aachen, warf ihm daraufhin ein ambivalentes Verhältnis zu den erneuerbaren Energien und zur Umweltszene vor. Letzteres stimmt mit Sicherheit, ersteres nicht. Der Einsatz von Windenergie für die Energieversorgung der Welt resultiert für Vahrenholt aus der Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß zu mindern. Ein Sachzwang, der einen boomenden Markt nach sich zieht, an dem Vahrenholt teilhaben will. Dafür muss die beste Technik her, die verfügbar ist. So einfach und so nüchtern ist das. Diese gradlinige Professionalität schafft Distanz zu denjenigen, die sich mit mehr Herzblut für die erneuerbaren Energien engagieren.

Vahrenholt glaubt an Hochtechnologie und an Ingenieurskunst. Mit dieser Überzeugung und mit seiner wirtschaftlichen Orientierung dürfte er für jedes Unternehmen ein Gewinn sein. Er hat nach wie vor gute Verbindungen zur Politik und konnte wahrscheinlich auch für Shell manche Tür öffnen. Beim Ölmulti hat er etwas bewegt. Vier Monate nach seinem Wechsel zu Shell erfolgte die Grundsteinlegung der Solarfabrik in Gelsenkirchen. Der Energiemulti machte auf einmal mit weitreichenden Zukunftsszenarien auf sich aufmerksam, die ein baldiges Ende des fossilen Zeitalters ankündigten. Ausgerechnet ein Ölkonzern machte den anerkannten Visionären der Öko-Szene Konkurrenz.

Das war so seriös, dass es Wirkung in Öffentlichkeit und Politik zeigte. Kein Schaubild, das den Beweis für die Notwendigkeit der erneuerbaren Energien antrat, wurde so oft gezeigt wie das von Shell, das den erneuerbaren Energien einen Anteil von 50% an der globalen Energieversorgung im Jahre 2050 zusprach. Diese Prognose war zwar nicht neu, doch nun wurde es geglaubt. Shell und Vahrenholt sind so weit weg von der Öko-Szene, da muss das einfach wahr sein, was die verkünden.

Nachdem der Shell-Konzern seinen Ruf zwar nicht gerettet, aber doch dank Vahrenholts Mithilfe saniert hatte, wurde dessen Schreibtisch kleiner. Kompetenzen schwanden. Vahrenholt verließ 2000 die Vorstandsbrücke bei Shell, ohne einen neuen Job in der Tasche zu haben. Den bekam er einige Monate später per Telefon angeboten: Vahrenholt wurde im Jahr 2000 erster Mann beim kurz zuvor durch Fusion entstandenen Windkraftanlagenhersteller Repower. Und damit so eine Art „Sonnyboy“ der Branche. Dem Mann ging bisher alles glücklich von der Hand. In einem schwierigen Börsenumfeld gelang ihm mit der Repower Systems AG Ende März 2002 der Gang an die Börse. Es war seit langem der erste Börsengang an den von Vertrauenskrisen geschüttelten Markt und machte nicht nur den Börsianern wieder Hoffnung. Der Erfolg des Repower-Börsengangs hob das Renommee nicht nur der Windbranche, sondern das der gesamten Branche der erneuerbaren Energien.

Während einige Firmen der Windenergiebranche mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben und den sprichwörtlichen Gegenwind zu spüren bekommen, segelt Vahrenholt mit Repower noch vorneweg. Mit guten Produkten allein ist das nicht zu erklären. Zu einem guten Teil ist das auch der hohen Professionalität geschuldet, mit der Vahrenholt und das Repower-Führungsteam arbeiten. Vahrenholt galt bei vielen Hamburger Umweltschützern in seiner aktiven Senatorenzeit als Technokrat. Falls das ein Vorwurf sein soll, tut man dem Mann Unrecht. Er konnte zwar als promovierter Chemiker im Senat mit den führenden Umweltverschmutzern der Hansestadt auf Augenhöhe kommunizieren und setzt nach wie vor auf hochentwickelte Technik bei der Lösung von Umweltproblemen.

Er weiß aber auch, dass ohne eine entsprechende Politik - und damit kommen menschliche Beziehungen ins Spiel - nichts läuft. Ob ihm diese Erkenntnis bei seinem zweiten „Hauptberuf“ etwas nützt? Vahrenholt ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender eines Fussballklubs, der in dieser Saison ziemlich weit oben mitspielt. Natürlich in der ersten Liga. Ob der HSV sich in absehbarer Zeit unter den ersten Vier der Rangliste etabliert, bleibt abzuwarten. Mit der Repower AG will Vahrenholt es jedenfalls schaffen.


"Wir liefern Strom auch eckig"

SW&W: Herr Vahrenholt, als Sie 1984 Staatsrat in der Hamburger Umweltbehörde wurden, sollen Sie gesagt haben: Auch mit Sozis kann man vernünftige Umweltpolitik machen. Umweltpolitik ist auch Energiepolitik. Wie finden Sie denn nun die rot-grüne Energiepolitik?

Vahrenholt: Der Satz war natürlich der Vernachlässigung der Umweltpolitik durch die Sozialdemokraten in den siebziger Jahren geschuldet. Das hat sich in den achtziger und neunziger Jahren fundamental verändert. Die Energiepolitik seit 1998 ist gekennzeichnet durch zwei Kernpunkte. Das eine ist die Förderung der erneuerbaren Energien, die wie in keinem anderen Land der Welt einen enormen Investitions- und Innovationsschub ausgelöst hat. Und auf der anderen Seite der Ausstieg aus der Kernenergie. Ich finde es allerdings nicht so entscheidend, ob das letzte Kernkraftwerk im Jahre 2020 oder 2025 abgeschaltet wird. Ganz im Gegenteil: Ich hätte mir gewünscht, dass man den Ausfädelungsprozess etwas langsamer durchgeführt hätte. Provokant gesprochen: Ein beschleunigter Ausstieg schadet eher sogar noch den erneuerbaren Energien, denn wir brauchen noch Zeit. Wir brauchen noch zehn Jahre um mit den konventionellen Energieträgern Öl, Gas und Kohle wettbewerbsfähig zu sein. Der zusätzliche Bedarf, der durch den Ausstieg aus der Kernenergie entsteht, könnte dazu führen, dass wir entweder Strom importieren müssen oder wieder in die konventionelle Erzeugung zurückfallen.


„Ein beschleunigter Ausstieg aus der Kerneneergie ...“

SW&W: Man könnte das Argument natürlich auch umdrehen: Der hohe Ausstiegsdruck bei der Kernenergie erhöht den Sachzwang, zu erneuerbarer Energieerzeugung zu finden.

Vahrenholt: Druck ist schön und gut, nur muss er auch technisch bewältigt werden. Jede technische Entwicklung braucht ihre Zeit. Dabei finde ich es sehr bedauerlich, dass die Forschung bei den erneuerbaren Energien nach wie vor von mittelständischen Unternehmen getragen wird. Die Großen stehen an der Seite und gucken zu. Auch bei Shell und BP ist es ja nicht so, dass die die Forschung wesentlich vorantreiben. Sie haben sich im Wesentlichen im Vertriebsbereich engagiert und das ist auch gut so. Aber die Forschung findet woanders statt.


„... schadet den erneuerbaren Energien, denn wir brauchen noch Zeit.“

SW&W: Von Shell zu Repower, also vom Vorstand eines Global Players zum Chef eines kleinen mittelständischen Unternehmens. Für manchen wäre das ein Abstieg. Wie ist das bei Ihnen?

Vahrenholt: Lieber Kapitän auf einem Schnellboot als Dritter Offizier auf einem Tanker. Die großen Unternehmen haben eine große Gestaltungsmacht, aber in diesen Gesellschaften sind Sie persönlich auch begrenzt in Ihrem Wirken. Ich hatte das Glück, nach Brent Spar bei Shell in Deutschland freie Fahrt zu haben. Solar-Panels auf Tankstellen, Windräder auf dem Gelände einer Raffinerie, Umweltberichte durch ein Öko-Institut - das war alles vorher bei Shell nicht vorstellbar. Aber als der Druck dann nachließ, nahm der Gestaltungsspielraum auch wieder ab.

SW&W: Haben Sie sich nicht als PR-Maßnahme missbraucht gefühlt?

Vahrenholt: Als ich merkte, dass die Entscheidungskompetenzen generell in London und Den Haag konzentriert wurden, bin ich da rausgegangen. Bei Repower habe ich die volle Gestaltungsmöglichkeit. Und von wegen kleiner Mittelständler: Wir gehören mittlerweile zu den 110 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Das gelingt aber nur, wenn Sie in einer Wachstumsbranche sind. Das sind wir und wir stehen an der Spitze der Technologie. Das Spannende an Repower war für mich, dass einerseits die "Old Economy" wie die Husumer Schiffswerft und auf der anderen Seite die innovationsfreudigen Entwickler in Rendsburg eine fruchtbare Verbindung eingingen. Es gab natürlich noch andere Dinge, die die Erfolgstory von Repower prägten – wie etwa der gelungene Börsengang. Wir wussten auch, dass Repower international wettbewerbsfähig sein muss. Internationale Konzerne wie Shell entwickeln Geschäftsprinzipien, die für den globalen Wettbewerb taugen. So hatte ich das Glück, dass der Finanzvorstand, der Controller, der Offshore-Manager und der Vertriebschef Europa von Shell nachkamen. Dieses international ausgerichtete Management war eine große Befruchtung für Repower.


„Lieber Kapitän auf einem Schnellboot als Dritter Offizier auf einem Tanker.“

SW&W: Repower hat eine hohe Eigenkapitalquote von 59%. Ist das Ihre Kriegskasse, um Zukäufe zu finanzieren, oder Ausdruck einer konservativen Unternehmensführung?

Vahrenholt: Natürlich muss man Wachstum finanzieren. Sie müssen Maschinen, Anlagenkomponenten vorfinanzieren und auch die Produktentwicklung kostet Geld. Deswegen ist das keine Kriegskasse. Aber wir schauen uns den Markt sehr genau an und wenn sich etwas ergeben sollte, was reinpasst und zusätzlichen Wert bringt, werden wir das machen. Also gucken wir uns die Unternehmen des direkten Wettbewerbs an, aber auch die vor- und nachgelagerten Stufen.

SW&W: Was heißt das konkret?

Vahrenholt: Wir bleiben auf unserem Geschäftsfeld Wind. Aber man könnte sich ja Projektentwickler im Ausland oder Maschinenbauunternehmen anschauen. Bisher sind wir aber mit unser Binnenwachstums-Strategie gut gefahren. Bei Windkraft ist Technologie der entscheidende Faktor. Projektentwicklung können viele. Und Komponenten zusammenbauen auch. Das meine ich nicht abschätzig. Das Entscheidende ist aber die Blaupause, die Ingenieurskunst.

SW&W: Steckt hier auch die größte Wertschöpfung?

Vahrenholt: Ja, wenn man Lizenzen vergibt. Es gibt Hersteller, die machen 60% ihres Umsatzes mit unseren Lizenzbauten. Das ist ein Umsatz, der direkt Ergebnis bringt. Wir werden aber in Zukunft mit Sicherheit nicht mehr unsere beste Technologie in Lizenz vermarkten lassen. Die Lizenzen werden nun von unseren Jointventure-Gesellschaften im Ausland genutzt. Wir verfolgen im Ausland eine etwas andere Strategie als viele andere. Wir arbeiten in Jointventures mit lokalen Partnern. Da sind wir schneller am Markt. Zu glauben, dass man mit einer 100% deutschen Firma im Ausland schnell Erfolg hat, ist illusorisch. Wir arbeiten zum Beispiel in Australien mit einem Partner. Der weiß, wie er sich da bewegen muss. Mit einem Jointventure haben Sie zwar nur den halben Gewinn, aber für jede Anlage wird die volle Lizenzgebühr an Repower abgeführt. Ein schönes einträgliches Geschäft. Unabhängige Dritte bekommen in Zukunft von uns nur noch die Technologie der Vergangenheit und nicht mehr die neueste. Sonst würden wir uns ja selbst kannibalisieren.

SW&W: Stichwort Entwicklung: An der 5-MW-Anlage sind sie dran. Das ist ja schon eine enorme Herausforderung - auch in logistischer Hinsicht. Bei welcher Anlagengröße ist denn Ende der Fahnenstange?

Vahrenholt: In der Tat ist die Logistik von Offshore-Windfeldern eine große Herausforderung. Denkbar wären für die 5-MW-Anlage aber auch Standorte an den Küsten Kanadas oder Schottlands. Und dort ist die Anlage hochprofitabel, weil man die Investitionskosten für die Offshore-Installation nicht hat. Um auf ihre Frage zurückzukommen: Schon bei einer 3-MW-Anlage an Land kommen Sie allmählich an Grenzen. Sie kommen kaum noch unter Brücken hindurch, eine Vollsperrung der Autobahn können Sie auch nicht jeden Tag machen. Deswegen haben wir den Schritt von der 2-MW-Anlage zur 5-MW-Anlage direkt gemacht. Der Schritt zu 3 MW bringt uns nichts. Die logistischen Beschränkungen sind die gleichen wie bei der großen 5 MW-Anlage. Ob es hinterher Offshore-Anlagen mit 7,5 MW gibt, weiß ich nicht. Ich glaube, es gibt keine technische Limitierung, sondern eine wirtschaftliche. Die Probleme - auch mit der Logistik - werden so groß, dass sich das nicht mehr rechnet.

SW&W: Sie haben in der Financial Times Deutschland die Bundesregierung als "Bremser in der Offshore-Technik" bezeichnet. Ist nicht vielmehr der enorme Finanzbedarf der Offshore-Parks der Bremsschuh?

Vahrenholt: Ich habe das Bundesumweltministerium mit seiner Naturschutzabteilung genannt. Ich sehe, dass Minister Trittin in der Klemme ist. Einerseits will er die erneuerbaren Energien fördern, andererseits muss er dem Naturschutzgedanken Rechnung tragen. Zum damaligen Zeitpunkt schien es so, als wenn sich die Naturschützer gegen Offshore durchgesetzt hätten. Das sieht jetzt anders aus. Minister Trittin hat mal zu uns gesagt: Seid doch froh, dass wir die Latte so hoch gehängt haben. Wenn Ihr die überspringt, seid ihr richtig gut und überall wettbewerbsfähig. Das Problem könnte nur sein, dass wir die Latte in Deutschland zu spät überspringen und die Offshore-Entwicklung mit Tausenden von Arbeitsplätzen außerhalb Deutschlands stattfindet. Möglicherweise sind andere Länder nicht so übervorsichtig in Naturschutzdingen.


„Es fehlt ein Aktionsplan Offshore-Deutschland.“

SW&W: Was muss die Politik leisten?

Vahrenholt: Wenn der Bund sagt, die Kernkraftwerke müssen weg und wir wollen die Offshore-Technik, dann muss er zweierlei tun. Er muss die Rahmenbedingungen herstellen. Das tut er. Und zweitens muss er den Banken und den Versicherungen Sicherheiten durch Bürgschaften geben, wie übrigens in der Frühphase der Kernenergie auch. Weiter muss er dem Volk die Wahrheit sagen: Wenn wir in der Nordsee 20.000 MW erzeugen wollen, brauchen wir fünf bis zehn neue Stromtrassen. Deswegen sehe ich am Ende nicht mehr als 3.000 MW bis Ende 2010 in der Nordsee.


„Der Widerstand gegen neue Trassen wird enorm sein.“

SW&W: Was wäre denn zur Zeit die dringendste Aufgabe?

Vahrenholt: Was fehlt ist ein Aktionsplan Offshore-Deutschland. Die entscheidende Frage ist: Wie bekomme ich den Strom weg? Hochspannungsleitungen sind unter zwölf Jahren nicht zu kriegen. Und der Widerstand gegen neue Trassen wird enorm sein. Das gibt die volle Breitseite des Protestes. Wir müssen das gesamte Stromnetz umbauen. Jetzt sind die Kraftwerke im Binnenland verteilt mit den entsprechenden Trassen. In Zukunft werden wir einen Teil des Stroms aus der Nord- und Ostsee über weite Strecken in die Zentren transportieren. Ich bin optimistisch: Technisch geht das. Es ist möglich, Offshore-Windstrom ab 2010 für 5 Cent/kWh zu erzeugen. Gas und Öl werden dann teurer sein. Aber die Bundesregierung muss etwas tun und auch unangenehme Wahrheiten kundtun.

SW&W: Wie sehen Sie die Rolle der Stromversorger?

Vahrenholt: Einen Kampf gegen erneuerbare Energien können die sich nicht mehr leisten. Das würden die Kunden nicht mehr verstehen. Mich erinnert das sehr an Shell. Shell war nach Brent Spar in der Öffentlichkeit so beschädigt, dass Kunden abgewandert sind. Das Gesamtimage der Stromversorger würde bei einer Verweigerungshaltung gegenüber den erneuerbaren Energien erheblich leiden. Da gibt es also ein Umdenken. E.on beteiligt sich an Offshore-Windparks, wir haben gute Verträge mit EnBW. Dass die Netzbetreiber Anforderungen an die Netzverträglichkeit stellen, ist normal. Wenn die den Strom eckig haben wollen, liefern wir ihn eckig. Dazu müssen wir in der Lage sein.


Bericht und Interview erstellte der freie Autor Jörn Iken im Auftrag der Redaktion Sonne Wind & Wärme. Der Artikel erschien in der Ausgabe 5/2003. Weitere Informationen über das Branchenblatt unter: http://www.sonnewindwaerme.de

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