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Sonne auf dem Campingplatz

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Im Sommer und besonders an sonnigen Tagen ist immer am meisten auf dem Campingplatz los. Ideal für die Wassererwärmung mit Sonnenkollektoren. Doch noch sind Solaranlagen für Camper rar gesät. Das von der EU geförderte Projekt Solcamp will das nun ändern.

Als die Sanierung der Duschräume des Campingplatzes Dickerscheid in der Eifel anstand, war für Betreiber Friedbert Schülter eines klar: Er wollte weg von der Warmwasserbereitung mit Heizöl. Doch fernab vom Gasnetz sind die Alternativen gering. »Der Vertrag eines Flüssiggasanbieters lag schon auf dem Tisch. Es war reiner Zufall, dass wir den Betreiber mit unserem Konzept der Kombination von Sonnenkollektoren und Pelletsheizung dann doch noch überzeugen konnten«, berichtet Hartmut Klein von Solarmaxx aus Hellenthal. Das Unternehmen ist Fachgroßhändler für Solarsysteme und Holzheizungen. Als Regionalvertretung von Consolar und Ökofen betreut man die Handwerker vor Ort und ist Kampagnenpartner der Aktion Holzpellets der Energieagentur NRW.

Seit August 2006 versorgen zwei Ökofen-Pelletskessel mit jeweils 32 kW Leistung die Sanitärräume des Campingplatzes mit seinen 20 Reise- und 90 Dauerplätzen, die Apartmentwohnungen eines Neubaus und außerdem eine Wohnung und die Gaststätte in einem Altbau mit Wärme. Eine Solaranlage mit 30 m2 Flachkollektorfläche unterstützt die Pelletsheizung. »Die beiden Energiequellen passen bestens zusammen. Die Solarenergie stellt die Grundlast bereit und die Pelletsanlage heizt bei Bedarf nach«, erläutert Klein. Herz der Anlage sind zwei parallel geschaltete Consolar-Schichtenspeicher mit jeweils 1.000 L Volumen. Zwei Speicher waren nötig, um die geforderte Zapfmenge zu erreichen. Da der Rohbau bereits stand bevor Solarmaxx das Heizkonzept geplant und umgesetzt hat, war kein Platz für einen großen Speicher. Die Auslegung des Pelletskessels als Tandem-Anlage war dagegen eine bewusste. »70 % der Zeit muss nur eine Anlage mit 32 kW laufen, um den Wärmebedarf zu decken. Dieser Kessel kann bis auf 30 % seiner Leistung runter modulieren und spart dadurch Energie ein. Und zwei Anlagen bedeuten für den Betreiber der Anlage eine sehr hohe Ausfallsicherheit«, so Klein. Das warme Wasser für die sanitären Anlagen wird im Durchfl uss über Kupferwärmetauscher im Inneren der Speicher bereitet. »Diese hygienische Brauchwasserbereitung war für den Betreiber ein wichtiges Argument für unser Konzept«, sagt Klein. Zuvor gab es einen 300-L-Boiler, der einmal die Woche zur Legionellenprävention auf mindestens 60 °C erhitzt werden musste. Das ist bei dem geringen Wärmetauscherinhalt von 12L pro Schichtspeicher nicht notwendig. Ein konventionelles Heizsystem mit Flüssiggaskessel und Brauchwasserspeicher wäre trotz MAP-Förderung um einige 1.000 € günstiger gewesen, doch Friedbert Schülter hat sich bewusst für ein ökologisches und energiesparendes Heizen entschieden und er spart in Zukunft, stabil günstige Pelletspreise vorausgesetzt, kräftig an Kosten für den Brennstoff ein.

Schwierige Auslegung
Kombinationen mit Pelletskesseln und Sonnenkollektoren sind für Hartmut Klein Standard. Doch auf Erfahrungen mit Campingplatzanlagen konnte er nicht zurückgreifen: »Gerade die Verbrauchsspitzen im Sommer waren schwer abzuschätzen.« Dazu kamen die Fragen, wie die Apartments genutzt werden und wie viele Camper die Sanitärräume gar nicht nutzen, weil sie die Nasszelle ihres Wohnmobils bevorzugen. Nach einem Jahr ist klar: Die Auslegung funktioniert. Die Anlage schaff t die Sommerspitzen.
Rolf Meißner, Leiter der Projektgruppe für große Solaranlagen bei Paradigma, Karlsbad, weist noch auf eine weitere Schwierigkeit hin: »Die Leute haben auf dem Campingplatz ein ganz anderes Nutzerverhalten als zu Hause. Der Gast zahlt pauschal für den Aufenthalt und lässt das Wasser rauschen. Der WW-Bedarf (45 °C) pro Kopf (70 - 110 L pro Person und Tag) liegt zirka 20 % höher als in Mittelklassehotels.« Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender Bedarf durch die Küchenspülbecken. Dort waschen die Besucher das Geschirr oft über lange Zeit unter fließend heißem Wasser in vielen Spülen gleichzeitig.
Besonders stark macht sich die Lust auf Wasserverschwendung dann bemerkbar, wenn die Duschen keine schmuddeligen Nasszellen, sondern noble Bäder sind. Hinzu kommt, dass nach einer Modernisierung der Waschanlagen mitunter sprungartig die Zahl der Gäste und in Folge dessen auch wieder der Verbrauch an steigt. Wenn also der Sanitärbereich erneuert wird und dabei eine Solaranlage eingeplant wird, kann der Planer sich bei der Auslegung nicht an den Verbräuchen der Vergangenheit orientierten. Anders als im Wohnungsbau zeichnet sich das Zapfprofil von Campingplätzen durch hohe, dafür aber kurze Spitzenbelastungen aus, die im Sommer in den Morgen- und Abendstunden auftreten. Meißner: »Der Gleichzeitigkeitsfaktor ist maximal. Was immer man an Einrichtungen zur Verfügung stellt: Man muss davon ausgehen, dass sie alle gleichzeitig betrieben werden wollen. Gelingt dies wegen Leistungsengpässen oder Druckabfällen nicht, dann gibt es Ärger.« Als Ziel der Auslegung gibt der Experte einen hohen solaren Nutzungsgrad von bis zu 50 % an. Denn die privaten Betreiber haben ein Interesse daran, dass sie einen möglichst hohen Anteil des Brennstoff einsparen. Nur so lohnt sich die Anlage und nur dann ist »nicht nur derCampinggast, sondern auch der Platzbetreiber begeistert«. Meißner empfi ehlt zwischen 0,5 und 1 m2 CPC-Vakuumkollektorfl äche pro Campinggast. Als Auslegung für einen thermisch gut schichtenden Speicher nennt er rund 40 L/m2 CPC-Fläche. Paradigma realisiert seit 1994 Campingplatzprojekte. Seit Jahresbeginn forciert das Unternehmen den Einsatz seines Aquasystems für solare Großanlagen (siehe SW&W 8/2007, Seite 40). In Dänemark wurde bereits ein Aquasystem auf einem Campingplatz errichtet. In Italien sind zwei Projekte in Planung.

Der technische Geschäftsführer Martin Reckziegel, Varmeco, Kaufbeuren beziff ert die Gleichzeitigkeit der Warmwassernutzung bei Campingplätzen auf mehr als 85 %. »Die höchste Zapfspitze konzentriert sich in den Abendstunden von 18 bis 20 Uhr – erst wird geduscht, gewaschen und dann abgespült«, so Reckziegel. Bei der Auslegung der Solaranlage geht er vom benötigten Schüttvolumen aus, das dann die Wahl des Speicher lumens bestimmt. Für 70 bis 100 L Speichervolumen sei 1 m2 Kollektorfl äche nötig. Auch bei Varmeco legt man die
Anlagen auf eine möglichst hohe Deckung aus. Denn das Motto der Campingplatzbetreiber, die sich für eine Solaranlage entscheiden, sei »weg vom Öl«.

Ralf Winnemöller, Leiter Objektgeschäft bei Sonnenkraft aus Regensburg, hat sich bereits Mitte der 90er in seiner Diplomarbeit mit Campingplatzanlagen beschäftigt. Eines seiner Ergebnisse damals: 0,25 m2 pro Stelllatz sind ein guter Anhaltpunkt für die Auslegung der Anlage. Eine ähnliche Angabe ist in die Richtlinie VDI 6002 Teil 2 eingefl ossen, die sich mit der solaren Trinkwasserbereitung für Studentenwohnheime, Seniorenheime, Krankenhäuser, Hallenbäder und Campingplätze beschäftigt. Seit Anfang September liegt der Entwurf vor und bis zum April des kommenden Jahres soll mit dem Weißdruck die endgültige Fassung vorliegen.

Bei Schüco, Bielefeld, orientiert man sich ebenfalls an dieser Auslegung. »Als grober Richtwert kann man eine Kollektorfl äche von 0,2 m2 je Stellplatz ansetzen«, so Pressereferent Oskar Schwittay. Das Unternehmen unterhält ein Objektbüro, das jede Anlage individuell auslegt, detailliert simuliert und dem Kunden eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bereitstellt. Da der Warmwasserverbrauch in den seltensten Fällen bekannt sei, schätzt man ihn hier anhand der Art und Anzahl der Auslaufarmaturen sowie den sanitärtechnischen Einrichtungen ab und
ermittelt die Benutzerfrequenz anhand von Platzbelegungsplänen oder bei gebührenpfl ichtigen Duschen anhand der Daten der Duschautomaten.

Frischwasser- oder Vorwärmsysteme
Bei der Anlagenhydraulik gibt es verschiedene Philosophien. Die Warmwasserbereitung im Durchfl uss, wie sie Solarmaxx umgesetzt hat, ist zwar ein einfaches und zuverlässiges System, weil es ohne Regeltechnik und weitere Pumpe auskommt, es ist aber nicht der Standard. Varmeco bevorzugt Systeme mit externen Solarladestationen und externen Frischwasserstationen zur Warmwasserbereitung. »Am besten ist ein Schichtenspeicher, zumindest sollte aber eine Zonenbeladung des Speichers vorgesehen werden«, so Reckziegel. Auch Sonnenkraft setzt auf dieses Konzept. Ralf Winnemöller: »Wir bieten unseren Kunden ausschließlich Frischwassersysteme an. Unter Berücksichtigung der DVGW Richtlinie Arbeitsblatt W551 kommt auch nichts anderes in Frage. Gerade im Campingbereich ist die Legionellenproblematik eine große Herausforderung. Oftmals stehen im Winterbetrieb die Duschhäuser still. Hier wäre der Einsatz von Trinkwasserspeichern unverantwortlich.« Sonnenkraft schaltet bis zu drei kleine Frischwassermodule mit 35 L Schüttleistung als Kaskade. Reicht das nicht, kommt ein 225-L-Frischwassermodul zum Einsatz.

Campingplatzsolaranlagen dienen hauptsächlich zur Warmwasserbereitung. Aber ein kleiner Teil der Sonnenwärme wird oftmals auch zum Heizen eingesetzt. Und zwar, um die Duschräume im Winter frostfrei zuhalten. »Wir binden den Heizungskreis mit Rücklaufanhebung über ein Drei-Wege-Ventil ein«, so Winnemöller. Auch bei Schüco ist das Heizen der Sanitärgebäude im Winter eine häufi g umgesetzte Variante. »Die benötigten Heiztemperaturen sind sehr niedrig und daher erreicht man für diesen Betriebszustand einen hohen solaren Deckungsanteil«, so Schwittay. Schüco verwendet Systeme mit Frischwasserstationen bei Komplettsanierung der sanitären Einrichtung und im Neubau. »Bleibt die Haustechnik bestehen, sind es oft Vorwärmsysteme«, berichtet Schwittay.

Paradigma bevorzugt dagegen die Kombination aus Puff erspeicher und Schichtspeicher. Im Neubau dient der Schichtspeicher meist direkt als Warmwasserspeicher. Bei der Modernisierung eines vorhandenen Systems setzt auch Paradigma auf Vorwärmsysteme. Paradigma kann in seinem mit Wasser betriebenen Aquasystem auf einen Wärmetauscher im Puffer verzichten und das Puff erwasser direkt als Fluid im Solarkreis nutzen. Speicher mit innen liegenden Wärmetauschern sind für Meißner tabu, weil »heißes Wasser in kürzester Zeit zur
Verfügung gestellt werden soll, und nicht sehr viel lauwarmes in quälend langer Zeit.«
Sonne Wind & Wärme 11/2007 56

 
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