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Offshore-Geschäft kommt in Bewegung

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Die im vergangenen Jahr im Infrastrukturgesetz verankerte Übernahme der Netzanschlüsse durch die Netzbetreiber hat die ersehnte Bewegung in die deutsche Offshore-Entwicklung gebracht. Die Installationsbranche meldet vermehrte Anfragen, und die Banken richten sich neu aus.

Am weitesten fortgeschritten ist das Testfeld »Borkum West« der Stiftung Offshore-Wind-energie. Die eigens für den Bau und den Betrieb im Juli 2006 gegründete Deutsche Offshore-Testfeld und Infrastruktur GmbH & Co. KG (Doti) hat das Testfeld in vier Gewerke aufgeteilt: Fundamente, Kabel, Transformatorstation und Windturbinen. Die Arbeiten sollen losweise vergeben werden. Für alle vier Gewerke hat es eine europaweite Präqualifikation gegeben. In diesem Verfahren bewerben sich poten-zielle Anbieter um die Teilnahme an der eigentlichen Ausschreibung. In der Präqualifikation prüft die Doti die Eignung der Unternehmen in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht. Erst wenn diese Hürde genommen ist, können die Unternehmen konkrete Angebote abgeben.

Casting läuft
Für die Turbinen läuft bereits das der Präqualifikation folgende formale Ausschreibungsverfahren. Spannende Frage: Wer ist dabei? Das Casting ist noch nicht abgeschlossen. Es darf also noch spekuliert werden – offiziell dringt nichts nach außen. Bisher war die Branche nach dem Rückzug von Enercon der Auffassung, im Testfeld kommen jeweils sechs Repower- und Multibrid-Turbinen zum Einsatz. Bei der Stiftung wollte man diese Konstellation hingegen nicht bestätigen: »Wahrscheinlich« seien noch andere Anbieter im Spiel. Infrage dafür käme das Bremer Unternehmen Bard Engineering, das bereits mehrere Offshore-Parks in der Nordsee entwickelt. Eine echte Überraschung, denn bislang war das Unternehmen nicht als Turbinenhersteller auf den Plan getreten. Eine Bestätigung für die Eigenentwicklung einer Turbine durch Bard war indes von dem Unternehmen nicht zu bekommen.
Die Mitbewerber zeigten sich ebenso überrascht –beide rechnen damit, ab 2008 jeweils sechs Maschinen ins Testfeld zu liefern. Multibrid plant in Bremerhaven eine neue Fertigungshalle. Am selben Ort wird auch Repower die 5M in einer neuen Halle montieren und sich damit endgültig von den bislang in Anspruch genommenen Werften emanzipieren. In Bremerhaven können drei 5M parallel gebaut werden, der Durchlauf beträgt drei Wochen. Wann der Startschuss fällt, weiß man weder bei Multibrid noch bei Repower. »Wir stehen Gewehr bei Fuß«, heißt es beim Hamburger Turbinenhersteller und verweist auf die Doti. Dort ist man zuversichtlich, die ersten Verträge Mitte 2007 abschließen zu können, gibt aber zu: »Das ist extrem sportlich.«
Die anderen Gewerke befinden sich noch in der Präqualifikation, für jedes gab es hier – anders als bei den Turbinen – rund ein Dutzend Bewerber. Die Doti ist mit dem Angebot an potenziellen Lieferanten sowohl in qualitativer wie quantitativer Hinsicht »sehr zufrieden«.

Gründung schwebt
Nichts Abschließendes gibt es über die Fundamente zu berichten. Die Turbinenhersteller haben jeweils eigene Entwicklungen vorangetrieben und eindeutig ihre Präferenzen festgelegt: Repower empfiehlt für seine 5M eine Jacket-Gründung, Multibrid testet gerade den auf dem Trockenen errichteten Tripod. Die Entscheidung fällen letzten Endes die drei in der Doti versammelten Investoren EWE, Eon Energie und Vattenfall. Multibrid-Geschäftsführer Niels Erdmann sagt: »Die Untersuchungen am Tripod sind noch nicht abgeschlossen, wir sind mit unserer Maschine auch nicht an diese Gründungsform gebunden.« Erdmann erwartet eine Entscheidung der Investoren über das Gründungskonzept und über ausführende Unternehmen Mitte des Jahres.
Selbst die Teilnehmer der Präqualifikation wissen noch nicht, was sie anbieten sollen. Der Projektleiter Offshore beim Anbieter Hochtief AG, Michael Freisen, hält alles für möglich. »Tripod und Jacket sind in Vorbereitung, aber ich denke nicht, dass Monopiles endgültig aus dem Rennen sind.« Niels Erdmann hält sogar noch Schwerkraftgründungen für möglich.
Vielleicht kommt auch alles zusammen. Schließlich handele es sich um ein Testfeld, sagt Freisen, und da werde eben in erster Linie getestet. Für dieses Szenario spricht, dass die Doti alle zwölf Gründungen als Einzellose ausschreiben will, was nichts anderes heißt, als dass mehrere Gründungskonzepte und auch mehrere Auftragnehmer in Frage kommen könnten. Das treibt zwar die Kosten hoch, entspräche aber dem Testcharakter von »Borkum West«.

Der Menck MHU 1900S ist der energiestärkste Miethammer der Welt – mit einem Gesamtgewicht von weniger als 300 Tonnen für Offshore-Verhältnisse geradezu handlich. Foto: Menck


Banken denken nach
Auch bei der lange für unmöglich gehaltenen Finanzierung der deutschen Offshore-Projekte tut sich etwas. Dümpelten die deutschen Banken bisher im sicheren, risikofreien Hafen, heißt es jetzt: Klar machen zum Ankerlichten. Damit ist man zwar noch nicht losgefahren, hat aber schon einmal Peilung auf die offene See genommen.
Darüber reden möchte in der Öffentlichkeit noch niemand. Der Leiter des Bereiches Erneuerbare Energien eines großen deutschen Bankhauses steht nach eigenem Bekunden in intensivem Kontakt mit dem Bundesverband Windenergie (BWE). Er rechnet nämlich damit, dass es »in den nächsten zwei Jahren losgeht« – und da will sein Haus mit von der Partie sein. Noch steht zwar intern die Ampel auf Rot, das könnte sich aber schnell ändern. »Aufgrund der Risikoabschätzung wird das Offshore-Geschäft aktuell von uns nicht begleitet«, erklärt er, »das lässt sich aber auch erst ändern, wenn eine erste Anfrage vorliegt«. Um die Ampel auf Grün zu schalten, braucht unser Manager einen Vorstandsbeschluss. Den gibt es nicht einfach mal so, sondern nur im konkreten Fall. Und da sei ihm bisher noch nichts auf den Tisch gekommen, sagt er – und es klingt fast schon bedauernd.
Dass die grundsätzliche Bereitschaft, ins Offshore-Geschäft einzusteigen, nicht nur bloße Spekulation ist, wird auch an einigen internen Weichenstellungen in seinem Haus deutlich. So hat er in der Bank allein für die erneuerbaren Energien die Möglichkeit einer Projektfinanzierung durchgesetzt. Bei dieser Finanzierungsform wird der Fremdkapitaldienst allein aus dem Cashflow des Projektes bedient. Die Bank gibt also nicht einen Investitionskredit aufgrund der Bonität des Antragstellers, sondern bedient sich aus den Einnahmen des fertigen Parks. »Das gibt es bei uns normalerweise nicht«, sagt er, »nur jetzt für die erneuerbaren Energien.«

Für die deutschen Offshore-Projekte, die diese im europäischen Ausland verbreitete Finanzierungsform auch stets für sich bevorzugten, bedeutet diese interne Grünschaltung einen Sprung über eine der größten Hürden auf dem Weg zur Realisierung. Eine weiteres Hinder-nis scheint auch aus dem Wege geräumt: die Idee eines Generalunternehmers, der alle Projektrisiken trägt. »Wir bewegen uns davon weg«, kennzeichnet der Banker die Diskussion in seinem Hause. »Ein Generalunternehmer verteuert ein Offshoreprojekt um 20 bis 30 Prozent.« Für ihn ein Aufwand ohne entsprechenden Gegenwert, denn auch ein großer Generalunternehmer sei für die Projektrisiken nicht in beliebiger Höhe in Haftung zu nehmen. So würde er die Einschaltung eines renommierten Planungsbüros und die Risikominimierung durch Multi-Contracting vorziehen – eine Verfahrensweise, die auch bei den deutschen Offshore-Entwicklern ganz oben auf der Wunschliste steht.
Schwierig wird es, die Höhe der angemessenen Ei-genbeteiligung der Projektentwickler festzulegen. 30 % stellt sich die Bank für eine Projektfinanzierung vor. Das ist auch nach der Kostenentlastung durch das Infrastrukturgesetz, das die Netzanschlusskosten den Netzbetreibern aufhalst, noch ein dicker Brocken – vielleicht zu dick für die meist mittelständischen Entwickler. Hier kämen deshalb auch zunehmend große Unternehmen ins Spiel – aber das ist keineswegs eine überraschende Entwicklung. Es sieht demnach so aus, als ob die Finanzierung der Parks in Zukunft nicht mehr der verzögernde Faktor sein würde.

Die Rammhämmer sind gut ausgelastet: IHC rammt mit dem S-1200 die Monopiles im Windpark Barrow in der östlichen Irischen See. Foto: IHC


Equipment bleibt knapp
Gefahr für den Zeitplan droht von ganz anderer Seite: Die Windparks, die auf Monopile-Gründungen setzen (und das sind immer noch die meisten), sind zwingend auf Rammhämmer angewiesen. Und die liegen nicht ta-tenlos in Magazinen herum, sondern sind weltweit viel-begehrte Offshore-Spezialwerkzeuge. »Wenn die deutschen Windparks kommen, wird es sehr eng«, bekräftigte noch einmal Martin Ros, der beim Hammerspezialisten Menck die Rammhämmer zum Offshore-Einsatz bringt. Auch der niederländische Wettbewerber IHC Hydrohammer rät zur Weitsicht. »Alle deutschen Projekte sollten in engem Kontakt mit den Hammer-Vermietern bleiben«, sagt Niels van den Heuvel, wohl wissend, dass es weltweit praktisch nur diese beiden Anbieter gibt.
Beide haben sich auf das zukünftige Windenergie-Offshore-Geschäft vorbereitet. Menck hat mit dem MHU 1900S den weltweit energiestärksten Miethammer gebaut, die Niederländer entwickeln aufgrund von Anfragen aus der Windbranche den IHC S-1400. Die zur Verfügung stehenden Stückzahlen dieser bis zu 8 Mio. € teuren Spezialwerkzeuge sind bescheiden: Menck verfügt über zwei 1900er, IHC zukünftig über »mehr als drei« ihrer Rammboliden für groß dimensionierte Mo-nopiles, wie sie die 5-MW-Turbinen verlangen.
Beide Anbieter sind nicht auf die deutschen Offshore-Projekte angewiesen. Im Gegenteil – momentan könnten sie deutsche Projekte kaum bedienen. IHC ist bei mehreren Installationen in Großbritannien aktiv, desgleichen Menck: »Nach einem britischen Offshore-Park sowie Q7 in Holland rammen wir in diesem Jahr in den Parks Lynn und Inner Dowsing an der Ostküste.« Laut Ros sind diese Arbeiten vor allem aus geotechnischer Sicht ein Riesenthema, weil der Boden aus mehr oder weniger festem Kalkgestein besteht. In organisato-rischer Hinsicht sei das Projekt interessant, weil das Schiff für die Rammarbeiten schon bestellt und fest für zwei Jahre gechartert war, als das ausführende Bauunternehmen noch per Ausschreibung gesucht wurde. »Das zeigt, wie knapp Offshore-Equipment ist«, sagt Ros.
Weltweit seien etwa 250 Offshore-Parks geplant, fährt Ros vor. Auch wenn nicht alle mit Monopile-Gründungen realisiert werden, bleibt die Lage für die Planer angespannt.

Dieser Text wurde von Jörn Iken exklusiv für Sonne Wind & Wärme geschrieben und erschien in der Ausgabe 2/2007.

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