SolarFlare
Home arrow Solarwissen arrow Solarzeitung arrow Solarstrom arrow Chancen für Wachstum der Exportmärkte
Home
Solarwissen
Solarpraxis
Energiespartipps
Bücher
Service
Solar-News
Lexikon
Marktplatz
Impressum
Werbung

Top Artikel
Statistik
Besucher: 3928114

Chancen für Wachstum der Exportmärkte

PDF Drucken
Die europäische Solarwärmebranche strebt nach Höherem. Spanien und Frankreich bieten ihr künftig neue Absatzmärkte. Die Nutzung von Solarwärme in Industriebetrieben verspricht eine Ausweitung des heimischen Marktes. Anfang September fand in Gleisdorf bei Graz die Solar 2006 statt. Auf der Tagung diskutierten die Referenten über die Zukunft der Solarthermie.

Österreich feiert sich bereits als Europameister. Nicht im Fußball, schließlich findet die Meisterschaft erst in zwei Jahren im Alpenland statt, sondern in der Solarthermie. Mit einem Anteil von 34 % am europäischen Solarmarkt hätten sich die österreichischen Produktionsunternehmen zum unumstrittenen Solarwärme-Europameister entwickelt, gab das Institut für Nachhaltige Technologien der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE Intec) in Gleisdorf während des Symposiums Solar 2006 bekannt. So konnte sich die österreichische Solarindustrie auf der Tagung stolz präsentieren.

Der Solarindustrieverband Austria Solar zeichnete bereits sein zwölftes Mitglied, die Geotec Solartechnik GmbH, mit seinem Gütesiegel aus. Es steht für die Erfüllung strenger Qualitätskriterien bei Produkten und beim Kundenservice. »Damit tragen bereits mehr als zwei Drittel aller in Österreich verkauften thermischen Solaranlagen diese begehrte Auszeichnung«, meinte Roger Hackstock, Geschäftsführer des Verbandes. Um auch die solare Kompetenz und damit die Qualität bei Planung und Montage zu sichern, hat der Verband gemeinsam mit dem österreichischen Lebensministerium – wie sich das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft abgekürzt nennt – das vierjährige Programm »Solarwärme« aufgelegt. So können sich Haustechnikplaner und Installateure in speziellen Kursen zum zertifizierten Solarwärmeplaner oder Solarwärme-Installateur ausbilden lassen.

Mit Fachveranstaltungen, Pressearbeit und an bestimmte Zielgruppen wie Wohnbauträger oder Hoteliers gerichteten Informationsbroschüren haben das Ministerium und der Verband zudem versucht, den in den vergangenen Jahren stagnierenden heimischen Kollektormarkt anzukurbeln. Das scheint gelungen zu sein. 2005 konnte sich die österreichische Kollektorindustrie über einen neuen inländischen Absatzrekord von annähernd 168 MWth­ freuen. Das entspricht 240.000 m² Kollektorfläche. Im Jahr 2006 werden voraussichtlich sogar 200 MWth erreicht (SW&W 8/2006, S. 22). »Das Programm kann somit eine äußerst erfolgreiche Halbzeitbilanz vorweisen«, freute sich AEE-Mitarbeiter Thomas Müller, der das Programm in Gleisdorf vorstellte. »Die Erfolge auf dem Heimmarkt stellen eine ausgezeichnete Basis für das Entstehen eines Massenmarktes dar und bereiten auch den Boden für den Exportschlager Solarthermie aus Österreich auf.« Immerhin exportieren die österreichischen Hersteller zwei Drittel ihrer Sonnenkollektoren – hauptsächlich nach Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien.

So gehörten mit den Firmen Sonnenkraft und Teufel & Schwarz zwei Unternehmen aus dem Alpenstaat im vergangenen Jahr zu den zehn Topsellern in Spanien. Sie profitieren ebenso wie die Top Five (Viessmann, Solahart, Chromagen, Isofoton und Wagner) von einem Markt, von dem sich die Branche in Zukunft einiges verspricht. »Die kürzlich beschlossenen Solaranlagen-Verordnungen in verschiedenen Gemeinden und Städten wie Madrid, Barcelona und Sevilla und die Bewilligung einer neuen technischen Gebäuderichtlinie, die ab Ende September in Kraft treten soll, werden eine für den Einsatz von Sonnenkollektoren günstige Situation schaffen«, sagte Manual Romero, Leiter für Erneuerbare Energien am spanischen Forschungsinstitut Ciemat. Die Bestimmungen sollten das spärliche Wachstum der vergangenen Jahre beschleunigen und Spanien seinem Ziel von 3.430 MW (4,9 Mio. m²) Solarwärme im Jahr 2010 näher bringen. Trotz des enormen Potenzials kann das Land laut Romero bisher erst eine installierte solarthermische Leistung von 490 MW (700.805 m²) vorweisen.

Besser sieht es in Frankreich aus: Mit rund 84 MW (120.000 m²) konnte die französische Branche ihren Absatz im vergangenen Jahr um über 130 % steigern. Ein Erfolg, der auf dem im Jahr 1999 gestarteten nationalen Programm Plan Soleil basiert. »Von 1975 bis 1999 war die nationale Förderpolitik für Solarwärme in Frankreich chaotisch«, berichtete Thomas Letz vom nationalen Solarinstitut Ines. Erst mit dem Plan Soleil habe die französische Regierung ein Förderprogramm eingeführt. Bis 2004 gewährte sie Zuschüsse. In dieser Zeit brachte vorwiegend der soziale Wohnungsbau die Solarthermie nach vorne. Im Juli 2005 erließ die Regierung ein neues, ambitioniertes Energiegesetz, das auch den privatwirtschaftlichen Sektor ansprechen sollte. Der Kauf einer Solarwärmeanlage wird nun mit einem Steuernachlass gefördert. Da sich dieser bereits 2005 als effektiv erwies, wurde er 2006 von 40 % auf 50 % angehoben. Zudem bezuschussen die französischen Regionen, teilweise auch einzelne Departments und Gemeinden, Solaranlagen. Bis 2010 sollen so jährlich 200.000 Solarthermiessysteme, d.h. 1 Million m2 Kollektorfläche, zur Warmwasseraufbereitung installiert werden.

Einen anderen Weg bei der Förderung geht die Regierung in Australien. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für Strom hat sie eine Möglichkeit geschaffen, Solarwärmeanlagen über Umweltzertifikate zu finanzieren. Die Sonnenkollektoren müssen dazu eine in Australien nicht unübliche Stromheizung ersetzen. Gestützt wird der Zertifikatehandel von den Stromunternehmen und Großverbrauchern. Sie müssen 2 % ihres Stromaufkommens mit erneuerbaren Energien decken oder ein Äquivalent an Umweltzertifikaten kaufen.

Durch den Handel mit den beim Kauf einer Solarwärmeanlage erworbenen Umweltzertifikaten erzielen die Käufer derzeit einen Wert von etwa 300 €. Anfang 2004 waren sie noch rund das Doppelte wert. Doch derzeit herrscht ein Überangebot an Zertifikaten. Ken Guthrie von der Energieagentur Sustainability Victoria des australischen Bundesstaates Victoria setzt seine Hoffnungen auf neue Bauverordnungen in den einzelnen Bundesstaaten. So müssen neue Gebäude in Victoria beispielsweise seit Juli 2006 entweder über eine Solarwärmeanlage oder einen Regenwassertank verfügen. »Während es derzeit noch zu früh ist, um den Einfluss der Verordnungen genau abschätzen zu können, wird doch erwartet, dass sie künftig den Verkauf von Solarwärmeanlagen drastisch erhöhen werden«, sagte Guthrie.


Symposium erzeugt positive Resonanz

480 Teilnehmer aus 26 Ländern waren nach Gleisdorf gereist und machten das 5.300 Einwohner kleine steirische Städtchen zum größten Solarwärme-Tagungsort in diesem Jahr. Zum Erfolg beigetragen hat das in mehrere thematische Blöcke aufgeteilte fundierte Programm. Mit den Themenblöcken »Solare Großanlagen für Mehrfamilienhäuser«, »Solare Prozesswärme« und »Solares Kühlen« haben die Veranstalter der AEE zudem spannende Anwendungsfelder der Solarwärme für die Zukunft diskutiert, für die sie internationale Experten als Referenten gewinnen konnten.



Das honorierten auch die Teilnehmer. Diesmal waren etliche nach Gleisdorf gekommen, die man bisher bei einem Solarsymposium eher selten gesehen hatte. Zum Beispiel die Betriebswirtin einer steirischen Baufirma, die sich über Solartechnik informieren wollte. Denn um in dem österreichischen Bundesland künftig von der Wohnbauförderung profitieren zu können, müssen die Gebäude mit einer Solarwärmeanlage ausgestattet sein. Den Assistenten der Geschäftsführung eines Wiener Fernwärmeanbieters interessierten dagegen die Vorträge zur Einspeisung solarer Wärme in bestehende Versorgungsnetze.

Ein großes Potenzial wartet auf die Solarwärme auch in Industriebetrieben. Um diesen Markt erschließen zu können, erstellen Wissenschaftler derzeit in einem Projekt der Internationalen Energieagentur Potenzialstudien, entwickeln Mitteltemperatur-Kollektoren und arbeiten an systemtechnischen Lösungen zur Integration der Solarwärme in die industriellen Prozesse. Werner Weiß, Geschäftsführer der AEE Intec, machte deutlich, dass für die in den industriellen Prozessen nötigen Arbeitstemperaturen von 80 bis 250°C neue Kollektoren konstruiert werden müssen. So könnten Flachkollektoren mit Mehrfachverglasung und Antireflex-Beschichtung, stationäre CPC-Kollektoren und kleine Parabolrinnenkollektoren künftig für die Nutzung von Industriebetrieben von Bedeutung sein.

 

 

 

 

 

Aktuelles Heft der SWW (Sonne, Wind & Wärme) bestellen.
Ältere Ausgabe zum Kennenlernen kostenlos bestellen.

 
Meistgelesene Artikel
Ähnliche Artikel
Social Bookmarking
Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: Icio Bookmark bei: Oneview Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Favoriten Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Newsider Bookmark bei: Linksilo Bookmark bei: Readster Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Netscape Bookmark bei: Yahoo Bookmark bei: Google Bookmark bei: Technorati