Shell braucht große Flächen |
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| Geschrieben von Detlef Koenemann | |
| Donnerstag, 21 Dezember 2006 | |
Der Energiekonzern Shell produziert nicht
nur Erdöl und Erdgas sowie Raffinerieprodukte, sondern entwickelte sich in den
vergangenen Jahren zu einem wichtigen Erzeuger von Windstrom. In Kürze wird
Shell den ersten Windpark vor der holländischen Küste ans Netz bringen.
Vor sechs Jahren erregte Shell erstmals Aufsehen mit zwei wesentlich kleineren Projekten. Damals errichtete das Unternehmen in Hamburg-Harburg zwei Anlagen des Typs Enercon E-66 (jeweils 1,8 MW), und kurz darauf zwei Vestas V66 mit jeweils 2 MW im Wasser, unmittelbar vor der englischen Ostküste bei Blyth, als erstes britisches Offshore-Projekt. Diese beiden Windparks waren zwar klein, nährten aber die Erwartungen der Branche, dass Shell bald größere Projekte in Europa folgen lassen würde. Denn aufgrund seiner enormen Finanzkraft hat der Energiekonzern das Potenzial, die Windenergienutzung zu Lande und zu Wasser enorm voranzubringen. Fast unbemerktes Wachstum Doch dann wurde es still um die Windenergieaktivitäten der Royal Dutch Shell. Jedenfalls passierte in Europa einige Zeit nichts mehr. Erst als im April dieses Jahres die Errichtung des Windparks Egmond aan Zee vor der niederländischen Küste begann, wurde man wieder auf Shell aufmerksam. Nur genauen Bobachtern war bekannt, dass Shell in der Zwischenzeit sieben große Windparks in den USA und einen in Spanien erworben hatte, mit fast stetig wachsender Nennleistung. Je größer, desto besser – 100 MW sind sozusagen Pflicht für einen Windpark, der im Dienste eines Energiekonzerns Strom erzeugen soll. »In Deutschland sind wir nicht mehr aktiv, weil die verfügbaren Flächen zu klein sind«, erklärt Matthias Haag, Projektmanager der Shell Windenergy. »Wir bauen generell große Projekte, und die Flächen, die man für 100 und mehr Megawatt braucht, findet man in Europa kaum – vielleicht noch in Schottland und in Spanien. Wesentlich größere Flächen stehen uns in den USA zur Verfügung. Wir sind auch schon auf dem chinesischen Markt aktiv. In Europa sehen wir dagegen vor allem die Möglichkeit, große Windparks vor den Küsten zu errichten.«
Beispiel Korrosionsschutz: Besonders anfällig ist der Bereich, der dem Seegang ausgesetzt ist, also die Zone, die einige Meter oberhalb und unterhalb der Wasserlinie liegt. Der Monopile, auf dem die Windenergieanlage steht, benötigt also eine besonders langlebige Beschichtung – genau wie die Plattformen auch. Ein anderes Beispiel ist das Verlegen des Kabels. Der Strombedarf einer Plattform ist enorm, und deshalb ist das Verlegen von Starkstromkabeln auf dem Meeresgrund für Shell Routine. Aber auch für einen Energiekonzern ist die Errichtung eines Offshore-Windparks kein Spaziergang. Es ähnelt eher einem Marathonlauf. Das OWEZ-Projekt wurde bereits vor rund acht Jahren aus der Taufe gehoben. Schon 1991 hatte sich die niederländische Regierung das damals ehrgeizige Ziel gesetzt, die Windenergienutzung zu Lande und zu Wasser bis zum Jahr 2000 auf insgesamt 1.000 MW auszubauen (erreicht wurden schließlich nur 473 MW bis Ende 2000). Für den Offshore-Windpark vor Egmond aan Zee gab es 2002 eine Ausschreibung, die Shell gemeinsam mit Nuon gewann. Nach drei Jahren Vertragsverhandlungen und Genehmigungsverfahren gab es im Mai 2005 Grünes Licht für die Errichtung. Anschließend begann man direkt mit der Fabrikation der Monopiles und knapp ein Jahr später wurde bereits mit den Bauarbeiten auf See begonnen. Ballast Nedam schickte die »Svanen«, einen großen Schwimmkran, der bis Ende Juli alle 36 Monopiles in den Meeresgrund rammte und die Zwischenstücke aufsetzte. Bis Ende August werden alle Windenergieanlagen errichtet sein, und noch in diesem Jahr soll der Windpark erstmals Strom liefern. Er fließt durch drei 34-kV-Kabel zur etwa 12 km entfernten Umspannstation an Land. Ob das Ganze auch ein ökonomischer Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Denn die Vestas V90-3.0 MW, die jetzt vor der niederländischen Küste zum Einsatz kommt, wurde auf See noch nicht lange erprobt. Längere Ausfallzeiten kann Shell nicht gebrauchen, denn das Projekt ist ziemlich knapp kalkuliert, erklärt Matthias Haag. Trotz der relativ geringen Wassertiefe (16 bis 20 m) und der geringen Entfernung zum Land ist das Projekt Egmond aan Zee recht kostspielig. Angesichts der Investitionskosten von mehr als 200 Mio. € gewährte die Regierung eine Starthilfe (»CO2-Zuschuss« in Höhe von 27 Mio. €) und eine garantierte Vergütung des erzeugten Stroms in Höhe von 97 €/MWh (9,7 Cent/kWh) für die Dauer von zehn Jahren. Außerdem verkauft Noordzeewind den Strom des Windparks an den Projektpartner Nuon, der diesen zum »grey power price« separat vergütet. Shell hat in Europa noch einige weitere Eisen im Feuer, unter anderem ein ganz großes: Am geplanten Offshore-Projekt »London Array« ist das Unternehmen zu einem Drittel beteiligt. Vorgesehen ist die Errichtung eines Windparks mit 1.000 MW Leistung in der Themsemündung. Die Wassertiefe ist dort überall kleiner als 25 m, und die Entfernung zum Festland ist gering. Die geographischen Voraussetzungen sind also ähnlich günstig wie beim OWEZ-Projekt. Doch es gibt auch Rückschläge. Kürzlich wurde die an Land geplante Trafostation für London Array von den Behörden abgelehnt. Shell wird also wieder einen langen Atem benötigen. Denn auch für einen Energiekonzern wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Weitere Informationen: www.shell.com/renewables Dieser Text wurde von Detlef Koenemann exklusiv für Sonne Wind & Wärme geschrieben und erschien in der Ausgabe 9/2006.
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Der Energiekonzern Shell produziert nicht
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Shell den ersten Windpark vor der holländischen Küste ans Netz bringen.


