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Solarautos am Tempolimit

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Geschrieben von Eva Augsten   
Mittwoch, 23 November 2005
Vor 18 Jahren fand die World Solar Challenge in Australien zum ersten Mal statt. Seit dem hat sich viel getan und das diesjährige Siegerauto »Nuna 3« bewältigte die Strecke mit einer Durch- schnittsgeschwindigkeit von über 100 km/h.

»Abenteuer, Innovation, Errungenschaften – Denksport!« So wirbt der Veranstalter des Solarrennens World Solar Challenge auf seiner Homepage. Mit Rätselheftchen oder Schachspielen hat diese Art von Denksport allerdings wenige Gemeinsamkeiten. 25 Teams traten an, um mit ihren Solarautos 3.021 km von Darwin bis Adelaide durch Australiens Outback zu fahren, täglich von 9 bis 17 Uhr.

Vom 25. September bis zum 2. Oktober dauerte das Rennen offiziell. Doch bereits am 28. September überfuhren die schnellsten Fahrzeuge die Ziellinie in Angle Vale, nördlich von Adelaide. Dass »Nuna 3«, das Auto des niederländischen Nuon Solar Teams, das Rennen gewann, überraschte niemanden. Mit einer Fahrzeit von 29 Stunden und 11 Minuten unterbot es nicht nur seinen eigenen Weltrekord von 2003. »Zum ersten Mal hat ein Solarfahrzeug diese Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 km/h bewältigt«, sagt Event Director Chris Selwood. »Nuna 3 hatte von Anfang an das Tempo vorgegeben« Das ist das niederländische Team gewohnt, denn es ist bereits sein dritter Sieg in Folge. Wesentlich schneller wird man die Strecke auch mit einem benzinbetriebenen Auto nicht zurücklegen können – außer im Northern Territory gilt nämlich in ganz Australien ein Tempolimit von 100 km/h und unter günstigen Bedingungen kommen manche der Solarautos schon heute kurzfristig auf Geschwindigkeiten von über 140 km/h.

23 Teams traten 1987 zur ersten World Solar Challenge an. Der Sieger, der GM Sunraycer, erreichte über die gesamte Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 67 km/h. Seit dem kamen die meisten Teilnehmer jedes Jahr wieder und jedes Mal waren sie besser. Nach dem vierten Rennen verkaufte Tholstrup die Veranstaltung an die Regierung von South Australia. Heute ist das Ministerium für Tourismus für die World Solar Challenge zuständig. Seit 1999 findet das Rennen alle zwei Jahre statt.

Das deutsch-britische Team mit dem Solarmobil Hansgo schaffte es dieses Jahr auf Platz acht. Hansgo ist nach Hans Gochermann benannt, dem Produzenten der Solarlaminate und Hauptsponsor des Teams. Gochermann, früher in der Weltraumforschung tätig, stattet seit langem die erfolgreichsten Teams der World Solar Challenge mit seinen Solarlaminaten aus. Studenten der FH Bochum und der London Southpark University haben Hansgo entwickelt. Stefan Spychalski, Pressesprecher des Hansgo Teams, war in diesem Jahr zum zweiten Mal bei der World Solar Challenge dabei und ist von der Atmosphäre und der Hilfsbereitschaft der Australier begeistert. Auch die – meist aus Studenten bestehenden – Teams gehen sehr offen miteinander um: »Jeder lässt sich in die Karten schauen und
präsentiert stolz seine technischen Verbesserungen«.

Hansgo-Fahrer und Teamchef Alexander Spoo ist startklar
und sieht der letzte Etappe optimistisch entgegen.


Und die Technik ist allemal beeindruckend: Die flunderförmigen Fahrzeuge sind so leicht und aerodynamisch gestaltet, dass sie bei einer Motorleistung von 1.300 W auf eine Geschwindigkeit von 80 km/h kommen. Die Energie liefert ausschließlich die Sonne. Damit nichts verloren geht, wird aber auch beim Bremsen die Energie in einer Batterie gespeichert - »regeneratives Bremsen« nennen das die Fachleute. Da das Regelwerk der World Solar Challenge die Größe des Fahrzeugs mit 5 m Länge und 1,80 m Breite genau vorschreibt, muss man aus dieser Fläche alles rausholen. Auch die senkrechten Seitenflächen sind mit Triple-Junction-Zellen aus Galliumarsenid belegt. Die Laminate haben eine mikroprismatische Oberfläche, das bedeutet, dass eine spezielle pyramidenartige Struktur auch schräg einfallendes Licht ins Innere der Zellen reflektiert. Diese Technik stammt aus der Raumfahrt.

»Für den Alltag sind sie viel zu schmutzanfällig«, erklärt Spychalski. Vor jedem Start reinigen die Teams also ihre Solargeneratoren mit einem Spezialklebeband, das senkrecht zur Oberfläche wieder abgezogen werden muss – mit einem gewöhnlichen Lappen würden sie die Oberflächenstruktur zerstören. Dank dieser ausgefeilten Spezialtechnik erreicht Hansgos Solargenerator einen Wirkungsgrad von über 27 %. Das Rekordfahrzeug Nuna 3 mit einem Solargenerator der neusten Generation kommt sogar auf 29 % - und das bei einem Gewicht von weniger als 180 kg.

So eine Technik hat natürlich ihren Preis: Fast 2.000.000 € kostet allein das Panel, 5.000.000 € ein ganzes Auto. Da sieht Spychalski das holländische Team klar im Vorteil: Nuna 3 wird von Nuon, dem größten Energieversorger der Niederlande gesponsort und ist immer mit der neusten Technik ausgestattet. In Deutschland ist das Sponsoring von Hochschulprojekten noch nicht so verbreitet. Trotzdem: Ganz allein muss sich auch Hansgo nicht durchschlagen, außer seinem Namensgeber unterstützt auch das Solarunternehmen Suntechnics den roten Flitzer.

Beim nächsten Rennen 2007 feiert die World Solar Challenge ihr 20-jähriges Bestehen. Die Veranstalter wollen alle 300 Teams mit ihren 2.500 Mitgliedern, die während dieser Zeit an dem Solarrennen teilgenommen haben, zu einer großen Feier einladen. Für 2009 sind sogar 24-Stunden-Rennen und ein Offroad-Rennen in der Diskussion – denn wenn die Geschwindigkeit sicherheitstechnisch und verkehrsrechtlich am Limit ist, muss man andere Herausforderungen suchen.


Dieser Text wurde von Eva Augsten exklusiv für Sonne Wind & Wärme geschrieben und erschien in der Ausgabe 11/2005.

Informationen:
World Solar Challenge: www.wsc.org.au
Hansgo: www.fh-bochum/solarcar

 

 


 

 

 

 

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