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Zwischenbilanz |
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| Geschrieben von Detlef Koenemann | |
| Donnerstag, 29 September 2005 | |
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Wieder eine Konferenz über Offshore-Windenergie, diesmal in Hamburg. Eingeladen hatten GL Wind und Windmesse.de. Anlass war das Inkraftreten der neuen Richtlinie.
Wer sich in Deutschland mit Offshore-Windenergie beschäftigt, muss vor allem eines haben: Geduld. Die vielen Offshore-Konferenzen sind daher als (möglichst ermutigende) Zwischenbilanzen im Rahmen eines langjährigen Prozesses zu verstehen. Das galt auch für die »4. Tagung Offshore-Windenergie«, die am 14. und 15. Juni in Hamburg stattfand. Der erste Konferenztag war ausschließlich den »Konstruktionsgrundlagen gemäß GL Wind Offshore Standard« gewidmet. Experten der Germanischer Lloyd Windenergie GmbH (GL Wind) erläuterten ausführlich die Anforderungen der neuen Richtlinie (»Guideline for the Certification of Offshore Wind Turbines«), die am 1. Juni in Kraft trat. Es ist nicht die erste Richtlinie, die sich mit diesem faszinierenden Thema befasst. Christian Nath, Geschäftsführer der GL Wind, erinnerte daran, dass der Germanische Lloyd (GL) bereits Anfang der 1980-er Jahre eine »Studie über die Seeaufstellung großer Windenergieanlagen« vorgelegt hatte. Das kam zur rechten Zeit. Denn 1986 wagte man bereits, eine 1,2-MW-Anlage im Hafen von Helgoland aufzustellen, die »im nassen Element stand und die Offshorebedingungen zu spüren bekam«. In den 1990-er Jahren erstellte der GL gemeinsam mit dem britischen Ingenieurbüro Garrad Hassan eine Studie zum europäischen Offshore-Windenergiepotenzial, die zum Ausgangspunkt zahlreicher Analysen und Untersuchungen wurde. Ein Ergebnis dieser Studie war die erste Offshore-Windrichtlinie des GL, die 1995 herausgegeben wurde. Seitdem hat sich die Offshore-Welt bereits deutlich verändert. Die ersten großen Windparks mit mehr als 100 MW Leistung stehen im Wasser und die ersten Prototypen der 5-MW-Klasse werden bereits erprobt. Doch auch erste Misserfolge sind bereits zu verdauen. Über Erfahrungen und Erfolge wurde am zweiten Tag der Hamburger Konferenz diskutiert – nicht über Misserfolge, die in der Regel kein Thema einer allgemein zugänglichen Tagung sind. Beispielsweise bleiben die eigentlichen Gründe für den Austausch sämtlicher WEA-Gondeln des Windparks Horns Rev oder für das vorläufige Scheitern des Projektes in Wilhelmshaven (das Bucketfundament konnte nicht eingebracht werden) der Diskussion innerhalb der betroffenen Firmen vorbehalten – bis irgendwann einmal der Schleier gelüftet wird. Nysted wurde ein Erfolg Auf Tagungen spricht man vor allem von Erfolgen, und deshalb stand als erstes der Windpark Nysted auf dem Programm, der nach achtjähriger Vorbereitung durch den dänischen Energieversorger Energi E2 im Jahr 2003 errichtet wurde und seitdem ohne nennenswerte Störungen Strom produziert. Per Vølund (Energi E2) wies in Hamburg auf die Bedeutung der gründlichen Vorbereitung und der langjährigen Erfahrungen hin. Bereits 1991 errichtete Energi E2 den Windpark Vindeby (5 MW), und auch die Windparks Middelgrunden (40 MW) und Samsø (23 MW) beruhen auf der Ingenieurleistung des Energieversorgers, der vor zwei Jahren die schwedischen Offshore-Windparks Utgrunden und Yttre Stengrund (jeweils 10 MW) erwarb. E2 betreibt alle Offshore-Windparks mit Ausnahme von Samsø selbst. Um das eigene Knowhow möglichst vollständig einbringen zu können, plante E2 des Projekt Nysted nach dem Konzept des »Multi-Contracting«. Der Ausschreibung ging eine gründliche interne Vorbereitungszeit voraus. Auch nach Abschluss der Verträge mit den Hauptvertragspartnern Bonus (WEA), Aarsleff (Fundamente) und ABB (internes Netz) war E2 in die schrittweise Umsetzung des Projektes involviert. Die Verträge erlaubten es dem Energieversorger, in die Planungen einzugreifen (»Design-Review«). Das betraf sowohl die Haupt- als auch die Subvertragspartner und hatte den Sinn, »wichtige und möglicherweise riskante Entscheidungen zu überprüfen« – offenbar in gutem Einvernehmen. Per Vølund berichtete, dass die Vertragspartner »kooperativ und aufgeschlossen« waren und die Befragung durch E2 zur »Überarbeitung und Verbesserung ihrer Produkte« nutzten. Dies sei die wichtigste Voraussetzung für den späteren Erfolg des Projektes Nysted gewesen. Um ganz sicher zu gehen, errichtete E2 im September 2002 eine Referenzanlage (2,3 MW) an Land. Die Errichtung der 72 Windturbinen auf See erfolgte zwischen 9. Mai und 27. Juli 2003, zum Jahresende waren alle Anlagen (165,6 MW) am Netz. Seitdem produziert der Windpark planmäßig Strom, mit einer WEA-Verfügbarkeit von beachtlichen 97%. Die Bedingungen für Wartung und Service sind allerdings besonders günstig. Das Klima ist nicht so rau wie in der Nordsee. Mit extrem hohen Wellen ist bei einer Wassertiefe von 6 bis 9 m nicht zu rechnen. Bis zu einer Wellenhöhe von 1,2 m ist ein ungefährdetes Übersetzen des Servicepersonals möglich, sodass an knapp 300 Tagen des Jahres der Windpark erreichbar ist. Erreichbarkeit auch bei hohen Wellen Die Erreichbarkeit der Windparks ist ein Thema, mit dem sich bereits mehrere Werften beschäftigen. In Hamburg wurde eine »kleine« und eine »große« Lösung vorgestellt – das »Sash System« und »Swath mit Towerlifter«. Das »Sash System«, vorgestellt von Mikael Jakobsson (Mistvind AB), besteht aus einem knapp 12 m langen Serviceboot, das mit einem am Bug angebrachten »Büffelhorn« eine Art Poller aufgabelt, der am Turm der Offshore-WEA angebracht ist. Das Boot drückt sich mit Propellerkraft so lange gegen den Poller, bis das Personal umgestiegen ist (siehe Foto). Der Poller kann horizontal beweglich ausgeführt werden, sodass er sich mit den Wellen auf und ab bewegt und das Umsteigen erleichtert. Der »Swath mit Towerlifter« ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe, zu der die Firmen Bugsier, Abeking & Rasmussen und HMB Hydraulik & Maschinenbau gehören. Carsten Wibel (Bugsier) erläuterte in Hamburg das Konzept. Es besteht aus einem »Windpark-Mutterschiff«, das ganzjährig als Unterkunft, Ersatzteillager und Werkstatt im Windpark stationiert ist, einem Tender, der als Zubringer zwischen Versorgungshafen, Mutterschiff und Windpark pendelt, sowie dem Hebezeug »Towerlifter«. Dies ist an der WEA installiert und soll im Servicefall einen Werkstatt-Container vom Mutterschiff heben können – auch bei einer Wellenhöhe von 3 m. Mutterschiff und Tender haben einen Halbtaucher-Rumpf. Sie schwimmen auf torpedoförmigen Auftriebskörpern und liegen daher wesentlich ruher im Wasser als konventionelle Schiffe. Trotz der rauen Bedingungen in der Deutschen Bucht soll der Tender an 95% aller Tage die WEA sicher erreichen können, das Mutterschiff sogar noch häufiger (98%). Die Herausforderungen sind im Prinzip alle zu bewältigen, vermutlich auch die Integration der geplanten Offshore-Windparks in das Verbundsystem. Damit befasst sich die Dena-Netzstudie, die Albrecht Tiedemann (Deutsche Energie-Agentur) in Hamburg erläuterte. Immerhin sollen bis zum Jahr 2015 insgesamt 9.800 MW vor den deutschen Küsten stehen, fünf Jahre später sollen es schon 20.400 MW sein. Die Verstärkung und der Neubau von Höchstspannungstrassen verursachen Kosten in Höhe von 1,1 Mrd. €. Zu Buche schlagen auch die geringere Auslastung und die höhere Reserve- und Regelleistung des konventionellen Kraftwerksparks. Positiv machen sich dagegen die vermiedenen Brennstoffkosten bemerkbar. Die Netto-Zusatzkosten sind auf die Stromkosten umzulegen und betragen im Zeitraum 2003 bis 2015 etwa 0,5 Cent/kWh. Ist das ein konsensfähiger Betrag auch angesichts eines bevorstehenden Regierungswechsels? Diese Frage brachte Albrecht Tiedemann nicht in Verlegenheit: »Windenergieanlagen laufen dann besonders gut, wenn der Wind von vorne kommt.« Detlef Koenemann Diesen Beitrag schrieb Dr. Detlef Koenemann exklusiv für die August-Ausgabe der Sonne Wind & Wärme. Weitere Informationen zum Branchenblatt: www.sonnewindwaerme.de Aktuelles Heft der SWW (Sonne, Wind & Wärme) bestellen. Foto: Detlef Koenemann - Gefahrloses Umsteigen: Das Sash-System wurde bereits bei 2 m Wellenhöhe erfolgreich getestet. |
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