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Sonne für ein warmes Essen |
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| Geschrieben von Eva Augsten | |
| Donnerstag, 29 September 2005 | |
Leistungsstarke Solarkocher basieren meist auf einem Parabolspiegel. Die weitere Ausgestaltung der Form kann aber nach den jeweiligen Bedürfnissen recht unterschiedlich ausfallen.
Für Solarkocher gibt es zwei grundsätzliche Bauformen: Kochkisten oder Parabolspiegel. Bei einer Solarkochkiste fällt Licht durch eine doppelte Glasscheibe auf eine schwarze Fläche und erwärmt so den Innenraum auf etwa 130 °C. Die Wärme bleibt erhalten, wenn die Einstrahlung kurz durch Wolken unterbrochen wird. Die Kiste muss weder nachgeführt noch beaufsichtigt werden, hat aber nur eine geringe Leistung. Kocher mit Parabolspiegeln erreichen Temperaturen von mehreren hundert Grad. Dafür muss man sie dem Sonnenstand entsprechen ausrichten. Sie sind immer auf direkte Solarstrahlung angewiesen.Der Klassiker Vom Parabolspiegel-Solarkocher SK14 gibt es mittlerweile viele Variationen. Das »Original« wird seit 1993 vom Verein EG Solar verbreitet. Der Reflektor besteht aus Aluminiumblech. Der Brennpunkt befindet sich innerhalb der Wölbung des Hohlspiegels, sodass Personen nicht gefährdet sind. Der Blick in den blendend hellen Spiegel ist zwar unangenehm, aber nicht gefährlich, wie Augenärzte bestätigten. Der Reflektor ist am Gestell mit zwei Flügelschrauben befestigt. Löst man diese, kann man ihn mit ins Haus nehmen und z.B. platzsparend an der Wand aufhängen. Auch das Gestell kann nach dem Lösen von mehreren Schrauben zusammengeklappt werden. In horizontaler Richtung ist der Reflektor auf dem Gestell beweglich gelagert, in vertikaler Richtung kann das Gestell gedreht werden. So kann man den Kocher immer dem Sonnenstand nachführen. Ein Sonnenstandsanzeiger gibt durch seinen Schattenwurf an, wann der Kocher optimal ausgerichtet ist. Die Kocher werden meist in Behindertenwerkstätten oder von schwer vermittelbaren Jugendlichen handgefertigt und dienen weltweit als Muster zum Nachbauen. Der Verein EG Solar bietet auch Baukurse in Entwicklungsländern an, die von Zivildienstleistenden betreut werden. Außer diesen Musterkochern verkaufte der Verein auch weitgehend komplette industriell gefertigte Kocher. Der Verkauf gewann immer mehr an Bedeutung, sodass dieser Bereich 2004 unter dem Firmennamen Sun and Ice ausgegliedert wurde. Schulspeisung mit dem Kocher SK 14 von Sun & Ice in Costa Rica. Foto: Sun & Ice Sun and Ice vertreibt inzwischen weltweit industriell gefertigte Solarkocher unter dem Handelsnamen Longlife in zwei Größen: Der Longlife Family and Business entspricht mit einem Durchmesser von 1,4 m dem SK 14, der Longlife Single ist mit 1 m Durchmesser etwas kleiner. Die Kocher müssen vor Ort noch entgratet, montiert und gegebenenfalls gestrichen werden. So ist noch ein Arbeitsaufwand von sechs bis acht Stunden pro Gerät nötig. Ein solcher Kocher in der Größe Family and Business kostet ohne Mengenrabatt 171 €, das kleine Modell Longlife Single kostet 119 €. Wenn die Kocher im Land mit Hilfe der EG Solar gebaut werden, liefert Sun and Ice die Aluminiumspiegelbleche. Diese kosten 69 € und sind mit einer speziellen Solaroberfläche ausgestattet, die auch salzhaltiger Luft für rund 20 Jahre lang standhalten soll. Preiswerter ist ein Spiegelblech mit einer Eloxialbeschichtung für 55 €. Eine Studie der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Südafrika bestätigte, dass die Kocher vor Ort gut angenommen wurden. Nach der Flutkatastrophe in Südostasien lieferte Sun & Ice 50 von der EG Solar finanzierte Solarkocher zur Trinkwasseraufbereitung nach Sri Lanka, 400 weitere sollen folgen. Der Schmetterling In Burkina Faso ist der SK 14 auch unter dem Namen Bamako bekannt. Der Verein Solarenergie Westafrika (Sewa) hat ihn aufgrund der dort gemachten Erfahrungen weiter entwickelt und schult nun Werkstätten im Bau des Nachfolgemodells Papillon. Der Papillon hat die Form eines Parabolspiegels, aus dem das obere und untere Viertel herausgenommen wurden. So bleiben nur die beiden seitlichen Segmente- daher der Name Papillon für Schmetterling. Das hat zwei Vorteile: Durch das ausgelassene obere Segment ist der Kochtopf besser zugänglich. Durch die untere Lücke landet alles, was aus dem Topf fällt oder tropft, direkt auf dem Boden und nicht auf dem Spiegel. Der Brennpunkt liegt auf Höhe des Spiegelrands. Der Kocher ist so geneigt, dass die Blicklinie auf den Topf senkrecht zur Achse der Parabel steht- so schaut man nicht direkt in die Sonne. Der Reflektor hat eine Fläche von 2 m2 groß. Damit bringt er es auf eine Kochleistung von gut 1 kW und eine Maximaltemperatur von etwa 300 °C. Nach Gebrauch kann er zusammengeklappt und ins Haus gefahren werden- so ist er auch über Nacht vor Diebstahl sicher. ![]() Durch die ausgesparten Spiegelsegmente kann man beim Kochen mit dem Papillon direkt an den Topf herantreten. Foto: Solarenergie Westafrika Der Verein BSW in Bingen bietet fertige Bausätze an und vertreibt diese in Deutschland. Wenn nun in einem Entwicklungsland Interesse an den Solarkochern besteht, werden die Bausätze natürlich nicht aus Deutschland importiert. Stattdessen werden in lokalen Werkstätten Baukurse veranstaltet. Finanziert wird die Arbeit des Vereins aus Spendengeldern. Zum Bau der Kocher benötigt man Aluminiumblech und Baustahl. Während der Stahl vor Ort in der Regel leicht erhältlich ist, müssen die polierten Aluminiumspiegel aus Europa oder den USA importiert werden, da es nur wenige Hersteller gibt. Der Zuschnitt der Spiegel wird in einer Werkstatt in der Hauptstadt Ouagadougou durchgeführt. Fertige Bausätze werden von hier an zwei weitere Werkstätten im Land geliefert, die die Kocher montieren. Der Verein Sonnenenergie für Afrika führt stichprobenartige Kontrollen der Kocherleistung durch. Ein kompletter Kocher kostet vor Ort umgerechnet rund 180 €. Weltweit sind etwa 300 Kocher vom Typ Papillon im Einsatz. Der Große Ein paar Nummern größer sind die Scheffler-Reflektoren. Sie haben Spiegelflächen von zwei bis 50 m2, am verbreitetsten sind die Reflektoren mit 8 oder 10 m2. Ihre Oberfläche besteht meist aus einfachen Badezimmer-Spiegeln. Im Gegensatz zu den beiden anderen Kochertypen liegt der Brennpunkt beim Scheffler-Reflektor außerhalb der Reflektorwölbung an einem festen Ort, verschiebt sich im Jahresverlauf praktisch nicht. So kann man auch an einer überdachten Stelle oder im Gebäudeinneren kochen. Der Spiegel wird tageszeitlich nachgeführt, meist mit Hilfe eines mechanischen Uhrwerks. Die jahreszeitliche Nachführung erfolgt alle paar Tage von Hand. Sie ist mit einer Anpassung der Parabelform des Reflektors gekoppelt. Bei Einzelanwendungen liegt der Brennpunkt in einem Herd. Die Hitze kann mit einem Hebel reguliert werden. Um den Topf von Herd zu nehmen, dreht man die Hitzezufuhr herunter und ist so vor konzentriertem Sonnenlicht geschützt. Bei Großanlagen befindet sich die gesamte Installation z.B. auf dem Dach und die Wärme wird durch Dampf in die Küche übertragen. Ein 8-m2-Reflektor hat eine Leistung von etwa 2,2 kW im Jahresmittel. Aufgrund seiner Größe ist der Scheffler-Reflektor besonders für gewerbliche Anwendungen geeignet, wie zum Beispiel zur Sterilisation von Instrumenten in Krankenhäusern, Großküchen oder Bäckereien. Eine Bäckerei in Burkina Faso wird beispielsweise mit 16 Scheffler-Reflektoren versorgt, die tagsüber 400 °C heiße Luft in einen Steinspeicher einblasen. So kann man morgens schon weit vor Sonnenaufgang mit dem Backen beginnen. Der Kocher wurde zunächst hauptsächlich in Kenia eingesetzt und ist heute auch in Indien sehr verbreitet. Die indische Regierung subventioniert Geräte von eingetragenen Herstellern mit 50% der Kosten. Scheffler schätzt, dass weltweit mittlerweile 750 Reflektoren in 200 solaren Großküchen im Einsatz sind. Die größte davon gehört zu einem Yoga-Zentrum in Rajastan (Indien) und kann bis zu 18.000 Besucher versorgen. Die Vereine Globosol (Schweiz) und Solare Brücke (Deutschland) sorgen für die Verbreitung der Scheffler-Reflektoren: Sie arbeiten mit lokalen Organisationen zusammen und vermitteln die Technologie. Außer der Spiegeloberfläche besteht die ganze Konstruktion aus einfachen, überall erhältlichen Stahlprofilen. Ein Scheffler Reflektor für eine Einzelinstallation aus einer Kleinserie kostet in Indien etwa 1.500 €. Damit kann man für etwa 50 Personen kochen. Je nach Art und Preis des vorher verwendeten Brennstoffs hat sich diese Investition nach ein bis sieben Jahren amortisiert. Gründe für den Einsatz von Solarkochern gibt es viele. Jährlich sterben mehr Menschen an den Folgen der Biomasseverbrennung in Innenräumen als an Malaria. In vielen Regionen müssen Familien ein Drittel ihres Haushaltseinkommens in Brennstoff investieren. Aber die Verbreitung der Kocher ist mühsam und erfordert viel persönlichen Einsatz, denn eine gute Nutzung hängt stark von der Betreuung der Nutzer ab. Die Projekte in den städtischen Ballungsräumen sind im Durchschnitt erfolgreicher als die im ländlichen Raum, wo der Brennholz billiger ist, bilanziert Sewa-Vorstand Bernd Hafner. In den Städten sind die Kochgewohnheiten schon länger umgestellt, die Hauptmahlzeit wird mittags eingenommen. Auch dies kommt den Solarkochern entgegen. Eva Augsten Die Diplomingenieurin und Sonne Wind & Wärme-Redakteurin Eva Augsten schrieb diesen Beitrag für die April-Ausgabe des Monatsmagazins. Weitere Infos: www.sonnewindwaerme.de
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Leistungsstarke Solarkocher basieren meist auf einem Parabolspiegel. Die weitere Ausgestaltung der Form kann aber nach den jeweiligen Bedürfnissen recht unterschiedlich ausfallen.
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