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Möglicher Regierungswechsel lässt erneuerbare Energien kalt |
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| Geschrieben von Dr. Matthias Fawer-Wasser | |
| Donnerstag, 08 September 2005 | |
![]() Seit die Bundesregierung im Mai Neuwahlen ankündigte, versuchen Regierung und Opposition sich mit Aussagen zu erneuerbare Energien. Dabei handelt es sich aber um eine Scheindebatte, denn der Wahlausgang dürfte sich kurzfristig kaum negativ auf die Weiterentwicklung der Branche auswirken. Basel, 6. September 2005. Sowohl CDU/CSU als auch die FDP befürworten in ihren Wahlprogrammen zur Bundes-tagswahl eine Beibehaltung der Kernenergie zur Stromversorgung. Angesichts des explodierenden Ölpreises und begrenzter Ressourcen wird sie als Lösung der Energiekrise angepriesen. Eine gleichzeitige Abkehr von den zukunftsweisenden Technologien der erneuerbaren Energien ist jedoch mehr als unwahrscheinlich. Denn in der gegenwärtigen Situation gewinnt auch die Suche nach Alternativen an Bedeutung. Deutschland hat sich überdies im Rahmen einer EU-Verordnung verpflichtet, bis zum Ende dieses Jahrzehnts 12,5 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien herzustellen. Der wirtschaftliche Erfolg der „Erneuerbaren“ trägt sein übriges dazu bei, die Branche gegen vorschnelle Gesetzesänderungen zu schützen. Kritik am Erneuerbare-Energien-Gesetz unbegründet Die Opposition aus Union und FDP kritisiert insbesondere die Einspeisevergütung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Diese hat aber maßgeblich dazu beigetragen, dass erneuerbare Energien in Deutschland in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden sind. Die Branche beschäftigt rund 130.000 Menschen, viele davon in Ostdeutschland. In den vergangenen zehn Jahren hat sich beispielsweise die installierte Photovoltaikleistung in Deutschland auf über 300 Megawatt verhundertfacht. Wie 2004 von der Bank Sarasin in ihrer jährlichen Studie zur Solarwirtschaft prognostiziert, überstieg im Juni dieses Jahres die installierte Solarstromleistung die Grenze von einem Gigawatt. Mit einem Anteil von zurzeit 0,12 Prozent an der gesamten Stromerzeugung hat die Solarenergie weiterhin ein enormes Potenzial. Die Windkraft befindet sich mittlerweile bereits an der Rentabilitätsschwelle und trägt sechs Prozent zur Stromversorgung bei. Aufgrund dieser Erfolge wird das deutsche EEG-Modell mittlerweile in etlichen europäischen Ländern wie Spanien, Portugal und Österreich eingesetzt. Eine vorzeitige Änderung in Deutschland würde die EU-Zielsetzung gefährden, bis 2010 den Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen auf 12,5 Prozent zu erhöhen. In Deutschland betrug dieser Anteil im vergangenen Jahr mit rund 55 Terrawatt-Stunden bereits zehn Prozent. Die genannten positiven Entwicklungen waren bis zuletzt auch für Anleger, die in die Branche investiert haben, gewinnbringend. Denn vom angespannten Energiemarkt profitieren neben den „klassischen“ Energiewerten wie Ölkonzernen auch Werte aus dem Bereich alternative Energiequellen. Siliziummangel größtes Problem. Die Bundestagswahl, so sind sich Branchenvertreter und Analysten einig, wird nicht für das momentane Hauptrisiko der erneuerbaren Energien gehalten. Die Bank Sarasin hat bereits im vergangenen Herbst in ihrer Studie zur Solarwirtschaft festgestellt, dass vor allem die Lieferengpässe beim wichtigen Rohstoff Silizium für ein gebremstes Wachstum in den kommenden zwei bis drei Jahren sorgen werden. Kostete ein Kilogramm Solarsilizium 2003 noch rund 25 US-Dollar, geht die Bank für 2006 von bis zu 50 US-Dollar aus. Derzeit arbeitet die Branche an neuen Technologien, um die benötigte Siliziummenge bei der Herstellung von Solarzellen zu reduzieren. Die Kapazitäten für solares Silizium werden zwar zügig ausgebaut, ein Ende des Engpasses ist aber frühestens 2008/2009 in Sicht. Positiv ist, dass diese Wachstumsbremse vor einer Überhitzung des Marktes schützt. Weiterhin positive Entwicklung der erneuerbaren Energien am Kapitalmarkt Die Branche selbst reagiert gelassen: Laut Ende Juli vorgelegtem Geschäftsklimaindex der Solarwirtschaft für das zweite Quartal beurteilen 67 Prozent der Unternehmen ihre Lage „sehr gut“ oder „eher gut“. Dieser Optimismus lässt sich auch mit einem Blick an die Börse belegen: So verbuchten die Aktien großer Solarunternehmen wie SolarWorld, Conergy und Solon auch nach Ankündigung der Neuwahlen bis zuletzt hohe Kursgewinne. Erfolgreiche Börsengänge wie die der Solar Millennium AG unterstreichen dies zusätzlich. Die Bank Sarasin geht daher davon aus, dass sich Kapitalanlagen im Sektor erneuerbare Energien weiterhin positiv entwickeln werden. Unter den mittlerweile über 350 nachhaltigen Publikumsfonds in Europa haben sich insbesondere solche gut entwickelt, die wie der Sarasin New Energy Fund speziell in erneuerbare Energien investieren. Der Fonds hat in den ersten sieben Monaten des Jahres um knapp 26 Prozent zugelegt. Die Herausforderung der kommenden Monate wird nun darin liegen, bei Privatanlegern das Bewusstsein für die langfristige Bedeutung alternativer Energiequellen zu schärfen. Verknappte Ressourcen sowie ein gestiegener Ölpreis dürfen nicht dazu führen, dass man einseitig auf sie setzt – auch und vor allem nicht auf dem Kapitalmarkt. Um einen nachhaltigen, das heißt dauerhaft tragfähigen Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen zu erreichen, bleiben bis auf weiteres die erneuerbaren Energien die einzige Option. Fachbeitrag der Bank Sarasin & Cie AG, Dr. Matthias Fawer-Wasser, Sustainability Research |
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