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Der lange Weg in die Weltspitze |
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| Geschrieben von Jörg Iken | |
| Sonntag, 20 Februar 2005 | |
RWE Schott Solar ist ein Veteran der Photovoltaik. Die Anfänge reichen bis in die sechziger Jahre zurück. Nun strebt das Unternehmen einen Platz unter den ersten Drei an.
Die RWE Schott Solar GmbH ist mit einem Umsatz von 123 Mill. €, 800 Mitarbeitern und einer Produktionskapazität von 55 MWp bislang Deutschlands größter Solarzellenhersteller. Allerdings liefert sich das Unternehmen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der ostdeutschen Q-Cells AG. Beide Unternehmen wollen ihre Kapazität kurzfristig auf rund 100 MWp erweitern. Winfried Hoffmann fing vor 25 Jahren bei der Hanauer Nukem an – allerdings nicht in der Nuklear-, sondern in der damals kaum bekannten Solarabteilung. Jetzt leitet er die RWE Schott Solar GmbH, ist BSi-Vorstand und Präsident der EPIA. »Unser erklärtes Ziel ist es, in den nächsten Jahren weltweit unter die ersten Drei der Solarbranche zu kommen«, kündigte Winfried Hoffmann, der Sprecher der Geschäftsführung, an. Nach seiner Meinung sind die Weichen dafür bereits gestellt: »Unsere Gesamtinvestitionen der vergangenen Jahre sind ähnlich hoch wie die von Sharp.« Es sei geplant, »innerhalb der nächsten Jahre« den Umsatz auf rund 800 Mill. € zu steigern.
Bis zum Weg in die Weltspitze ist es ein langer Weg. Doch die größte Etappe hat die Firma vermutlich schon hinter sich. Die RWE Schott Solar GmbH entstand über etliche Umwege, Umfirmierungen und Jointventures aus den Solaraktivitäten der Hanauer Firma Nukem. In den achtziger Jahren war der Brennelemente-Hersteller die Skandalnudel der deutschen Atomindustrie – illegale Nukleartransporte sowie tatsächliche oder vermeintliche Explosionen beherrschten die Schlagzeilen. Darüber geriet in den Hintergrund, dass das Unternehmen Nukem gleichzeitig auch in der Photovoltaik aktiv war. Damals arbeitete die Nukem-Entwicklungsabteilung am Standort Alzenau an einer Cadmium-Sulfit-Dünnschichtzelle. Nachdem Mitte der achtziger Jahre ein geplantes Jointventure mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern MBB in letzter Minute gescheitert war, konzentrierte sich Nukem auf die Siliziumtechnologie. Die Nukem-Solaraktivitäten wurden 1994 zusammen mit der DASA-Solartechnik in der Angewandte Solarenergie GmbH ASE zusammengefasst. Gleichzeitig akquirierte das Unternehmen den Waferproduzenten Mobil Solar Energy Corporation in Billerica, die fortan als ASE America produzierte. Ende 1995 dann der große Schock: Nach dem Auslaufen des 1000-Dächer-Programms stellte ASE die Solarzellenproduktion in Wedel ein. Der Umschwung kam erst im November 1997. Der damalige Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers spendierte 25 Mio. DM für die Standorte Alzenau (ASE) und Gelsenkirchen (Shell und Pilkington). Die Finanzspritze von Rüttgers zeigte Wirkung. 1998 ging in Alzenau die erste vollautomatische Solarzellenproduktion in Betrieb, ein Jahr später in Gelsenkirchen. Nach dem Rückzug der DASA war die ASE inzwischen zu einer reinen Nukem-Tochter geworden und gehörte damit vollständig zum RWE-Konzern. Nach Umstrukturierungen im Konzern wurde aus der ASE die RWE Solar GmbH. Im Oktober 2002 gab RWE 50% der Anteile an Schott Glas ab, die RWE Schott Solar war geboren. Kurz zuvor, am 27. August 2002, drückte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber auf den roten Knopf zum Start der ersten Fertigungslinie (15 MWp) der von der RWE Solutions AG errichteten SmartSolarFab®. Hinter dem smarten Namen verbirgt sich eine integrierte Solarfabrik mit 20.000 Quadratmetern Produktionsfläche - Waferherstellung, Zellenproduktion und Modulfertigung unter einem Dach. Weltweit eine Besonderheit ist das aus Billerica stammende EFG-Verfahren der Waferherstellung: Aus einer Siliziumschmelze wird ein hohler Oktaeder mit einer Wandstärke von 0,2 bis 0,3 mm gezogen. Die entstehenden Säulen sind bis zu sieben Meter lang. Vollautomatische Laser zerlegen die Oktaederflächen in 4“- oder 5“-Wafer. RWE Schott Solar unterhält außer der Fabrikation in Alzenau (und zukünftig dem Standort in Tschechien) noch drei weitere Fertigungsstätten:
Die Marketing- und Vertriebszentrale für die Aktivitäten des Unternehmens in USA, Kanada und Lateinamerika arbeitet vom kalifornischen Rocklin aus. Der entscheidende Schritt in der Firmengeschichte war im Oktober 2002 das Jointventure mit dem Glasproduzenten Schott, eines der weltweit führenden Produzenten technischer Gläser und von Labortechnik. Als Winfried Hoffmann, damals Geschäftsführer der RWE Solar GmbH, seinen Vorgesetzten seine Ausbaupläne präsentierte, gaben es Grünes Licht nur unter einer Bedingung: Es muss ein starker Partner gefunden werden, der Erfahrungen in der Massenproduktion technisch anspruchsvoller Produkte vorzeigen kann. Hoffmann wußte zu dem Zeitpunkt, dass sich Schott für die Photovoltaik interessierte. So lag es nahe, beide Firmen zusammenzubringen. Für RWE war das ein erster Schritt heraus aus der Solarbranche. Immer wieder wird Hoffmann gefragt, »ob denn die Solarproduktion zum Kerngeschäft des RWE-Konzerns gehöre.« Unausgesprochen steckt dahinter die Spekulation, inwieweit die – relativ zu den anderen Aktivitäten des Energiekonzerns vernachlässigbaren – Solaraktivitäten nur den Geschäftsbericht des Energiegiganten »aufpolieren« soll oder ob sie langfristiger Natur seien. Weder noch, sagt Hoffmann. »Allein die Tatsache, dass die RWE 50% des Solargeschäftes abgegeben hat – an die Schott AG nämlich, zeigt deutlich, dass die PV für die RWE kein Kerngeschäft ist. Die Diskussion ist an den Haaren herbeigezogen«, stellt er fest. Damit sei auch klar, dass die RWE Schott Solar GmbH langfristig auch das RWE-Dach verlassen und eigenständige Wege gehen könnte.
Eigenständigkeit setzt kräftiges Wachstum voraus. Während die Zellenproduktion am Standort Alzenau um 40 MWp erweitert wird, setzt RWE Schott Solar mit neuen Modulkapazitäten erstmalig den Fuß ins europäische Ausland. Der Standort Valašské Mezirící in Tschechien wird ausgebaut. Das ist etwas ungenau formuliert: Bisher wurde die Fabrik in Valašské Mezirící nur von der Schott AG genutzt, die 50%-Gesellschafter der RWE Schott Solar GmbH ist. Hergestellt wurden dort also nicht Solarprodukte, sondern Frontgläser von Fernsehbildschirmen. Jetzt sollen hier zusätzlich zwei Modulfertigungslinien mit einer Gesamtkapazität von über 40 MWp entstehen. Michael Harre, einer der vier Geschäftsführer, begründete die Standortwahl auch mit der »Nähe zu den aufstrebenden Märkten« in Südosteuropa wie etwa Tschechien, Slowakei, Ungarn und Polen. Nicht ganz unwichtig für die Standortwahl waren vermutlich die relativ niedrigen Lohnkosten. Während der Personalkostenanteil bei der weitgehend automatisierten Wafer- und Zellenproduktion nicht einmal 10% erreicht, spielt er bei der Modulfertigung eine wesentlich größere Rolle. Wer an der Kostenschraube drehen will, kommt um die Personalkosten nicht herum. Den Zusammenhang verdeutlicht auch Hoffmanns Aussage: »Vollautomatisierung im Modulbereich lohnt sich derzeit nicht.« Der Grund dafür liege in den weiterhin zu geringen Stückzahlen der bislang üblichen Modulproduktionen. So seien die marktüblichen Automaten für die Glasverarbeitung – ein wichtiger Baustein in der Solarmodul-Produktionskette – für Jahresproduktionen ab 1 Mio. m² aufwärts ausgelegt. »Wenn ich da mit meinen 100.000 Quadratmetern komme1, rechnet sich das nicht. Wirtschaftlich interessant wird es ab drei Millionen Quadratmetern – also ab etwa 300 MWp in einer Fabrik«, meint Hoffmann. So werde es in absehbarer Zeit auch weiterhin einen »gewissen Anteil« Handarbeit bei der Modulproduktion geben – selbst bei der angeblich vollautomatischen Anlage des Flabeg-Nachfolgers Scheuten Solar. Die bisherigen Partner des Alzenauer Unternehmens müssen sich laut Hoffmann allerdings wegen der nun beschlossenen Modulfertigung in Tschechien keine grauen Haare wachsen lassen. Solarwatt und die Freiburger Solar-Fabrik hatten bisher einen Teil ihrer Modulfertigung für die RWE Schott Solar reserviert. »Die Partnerschaft geht weiter«, stellte Hoffmann klar, »im gleichen Umfang, eher noch mehr.« Eine Auslagerung der High-Tech-Bereiche Wafer und Zellen ins Ausland schloss Hoffmann für die nächsten Jahre aus. »Wenn ich es erreichen kann, in einer Produktion in den Bereich von fünf Prozent Personalkostenanteil zu kommen, habe ich in einem Hochlohnland wie Deutschland sogar eindeutige Vorteile: Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte, schnellen Zugriff auf Anlagenhersteller und den Markt vor der Tür«, sagte er in einem Gespräch mit SW&W. Zusammengefasst: Die RWE Schott Solar GmbH wird am Standort Alzenau mittelfristig auch die EFG-Wafer-Fertigung ausbauen. Ein Engagement des Unternehmens in der Siliziumproduktion schloss Hoffmann definitiv aus: »Silizium werden wir nie machen. Das gehört zwingend in die Großchemie.« RWE Schott Solar arbeite intensiv mit Wacker, SGS und MENC zusammen. Hoffmann hob hervor, dass sich sowohl Wacker als auch SGS entschlossen haben, ein PV-taugliches Silizium ausschließlich für die Solarbranche zu produzieren. »Das ist ein großer Fortschritt. Das war vor drei oder vier Jahren noch eine große Frage, ob die die Solarbranche überhaupt so ernst nehmen, dass sie Solarsilizium produzieren wollen.« |
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RWE Schott Solar ist ein Veteran der Photovoltaik. Die Anfänge reichen bis in die sechziger Jahre zurück. Nun strebt das Unternehmen einen Platz unter den ersten Drei an.

