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SolararchitekturGestaltung von Gebäuden derart, dass sie möglichst viel Sonnenenergie zur Heizung und Kühlung der Innern verwertet. Grundsätze schon im Altertum angewendet, dann in Europa vernachlässigt, im 20. Jahrhundert wieder entdeckt und seit der Ölkrise wissenschaftlich vertieft.

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr., wandten die Griechen beim Bau der Stadt Olynthus die Grundsätze der Solararchitektur an:

• Das Haus wird nach Süden ausgerichtet, um durch Fenster und Türen im Winter möglichst viel Sonnenstrahlung einzufangen.
• Mauern und Steinfußboden bilden Wärmespeicher für die Nacht.
• Die geschlossene nordseitige Wand hält die Winterwinde ab.
• Maßnahmen, die im Winter Energiegewinn bringen (wie Fenster und Türen an der Südseite), führen im Sommer zu Überhitzung. Daher muss dann eine kühlende Abschattung vorhanden sein – bei den Griechen ein Säulenvordach, das Portikum.

Solararchitektur erweitert das Allgemeinziel der Architektur (Baukunst vom Griechischen archi-, Ober-, und tekton, Zimmermann), Wetterschutz, Zweckdienlichkeit und Gefälligkeit miteinander zu verbinden, für zwei Aufgaben: Zur Heizung soll das Gebäude möglichst viel Sonnenenergie einfangen und speichern, zur Kühlung soll es die Sonnenstrahlen abhalten.

Durch Vermittlung Vitruvs übernahmen die Römer im 1. Jahrhundert v. Chr. die Solararchitektur der Griechen und erweiterten sie um Fensterglas und Wintergarten (überwiegend in den Villen der Reichen und in den öffentlichen Bädern). Mit dem Ende des Römerreichs fiel die bewusste Anwendung der Solararchitektur in Europa weitgehend der Vergessenheit anheim, doch blieb sie in Ansätzen im klimagerechten Bauen der Volksarchitektur auf dem Lande, nicht aber im Städtebau erhalten.

Erst das Wohnelend der Industriearbeiter veranlasste Mitte des 19. Jahrhunderts sozial gesinnte Unternehmer, sonnige Arbeitssiedlungen zur errichten, z.B. „Port Sunlight“ bei Liverpool, Großbritannien. Die Besonnung sollte vor allem die Hygiene verbessern, wurde aber auch zur Heizung erwogen. Dies trug erste Früchte im „Zeilenbau“, mit dem man nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland die Wohnungsnot linderte: lang gestreckte, mehrstöckige Häuser, zwei Räume tief mit Schlafräumen nach Osten und Wohnräumen nach Westen (z.B. Siemensstadt in Berlin) – mit der Nord-Süd-Ausrichtung wurde zwar Baugrund gespart, aber die Wintersonne kaum genutzt. In den 30er-Jahren ging man, unter dem Einfluss des Architekten Hugo Haring (1882 bis 1958), zu kleineren Häusern mit Südausrichtung, großen Fenstern nach Süden und kleinen nach Norden über.

Dieser Entwicklung folgten auch andere europäische Länder, darunter die Schweiz (z.B. Siedlung Neubühl bei Zürich). In den USA wurde sie in den 80er-Jahren aufgegriffen und zu Solarhäusern weitergeführt, Versuchsbauten, die in erster Linie der Erprobung neuer Ideen, Baustoffe und Bautechniken dienten. Nach dem 2. Weltkrieg ließen der wachsende Wohlstand und das billige Öl das Interesse an der Solararchitektur schwinden. Die Ölkrise weckte es schlagartig wieder. Seither hat Forschung an Solarhäusern die Solararchitektur auf wissenschaftliche Grundlage gestellt. Es sind zahlreiche wirtschaftliche Lösungen für aktive und passive Solarnutzung erarbeitet worden, die sich bereits im Bau energiesparender Gebäude aller Art niederschlagen.

 


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